Wie finde ich als Spa oder Hotel einen Influencer, der zu mir passt?

Influencer Marketing - Wie finde ich einen Influencer der zu mir passt?

Das letzte SpaCamp liegt gerade mal 2 Wochen zurück und auch wenn es für mich persönlich bisher das schönste SpaCamp war, so musste ich dennoch feststellen, dass mindestens 90% der Branche auch im Jahr 2016 keinerlei Interesse daran hat, sich digitaler aufzustellen.

Die Spa Branche ist eine sehr unbewegliche und altmodische. Während sich andere Branchen immer stärker des Influencer Marketings bedienen, renne ich Tag für Tag in unzähligen Emails mit Anlauf gegen die Wand. Dass das sehr frustrierend ist, kann sicherlich jede(r) hier nachvollziehen. Da es aber dennoch hier und da Häuser gibt, die dem Influencer Marketing prinzipiell offen gegenüberstehen, aber nicht so recht wissen, wie sie so eine Zusammenarbeit angehen sollen, möchte ich in dem heutigen Post erklären, wie man einen Influencer findet, der zu dem eigenen Unternehmen passt.

Da ich über Spas schreibe, gilt der heutige Post explizit der Spa Branche. Vermutlich ist er aber auch größtenteils auf andere Branchen übertragbar. Ich benutze immer wieder das Wort „Influencer“. Für alle, die nicht wissen, was ein Influencer ist, hier eben die Wikipedia-Definition: „Eine Person, die aufgrund ihrer starken Präsenz und ihres hohen Ansehens in den sozialen Netzen des Internets für das Marketing interessant wird“. Für ein Hotel oder Day Spa sind Blogger aktuell höchstwahrscheinlich am relevantesten, aber auch YouTuber oder Instagrammer können je nachdem, was promoted werden soll, Sinn machen.

1) Die erste Frage, die ein Unternehmen, das mit einem Influencer zusammenarbeiten möchte, sich immer stellen sollte ist: „Welche Leistung möchte ich ganz konkret bewerben?“

Bin ich ein Hotellier, der mehrere Millionen Euro in ein Makeover seines Nassbereiches investiert hat, macht logischerweise ein Influencer Sinn, der schwerpunktmäßig über Nassbereiche schreibt. Geht es um ein Yogaretreat, sollte ich mich mal etwas intensiver mit Bloggern beschäftigen, die schwerpunktmäßig über Yoga schreiben. Das Restaurant wurde neu eröffnet? Dann macht unter Umständen ein Food Blogger am meisten Sinn und geht es nicht nur um ein ganz bestimmtes Department im Hotel, sondern um das Erlebnis als Ganzes, inklusive der umliegenden Natur, ist ein Reiseblogger höchstwahrscheinlich nicht die schlechteste Idee.

Als Day Spa ist fast immer die Zusammenarbeit mit einem Spa Blogger am sinnvollsten. Wird allerdings eine Produktlinie neu gelaunched, die gut zu einem ganz bestimmten Beauty Blogger passt, könnte auch eine solche Zusammenarbeit sich lohnen.

Fakt ist innerhalb dieser Branche aber immer: Ein Blog, der genau die Nische bespielt, die zu meinem Produkt passt, macht immer mehr Sinn als ein Lifestyleblog, der alles abdeckt. 

Ein Beispiel: Ein Spa Blogger mit 10.000 Besuchern im Monat bringt 10.000 spa-affine, potentielle Kunden mit, wohingegen bei einem Lifestyle Blog mit 30.000 Besuchern im Monat nicht wirklich klar ist, wie sich die Zielgruppe des Bloggers von den Interessen her zusammensetzt.

2) Womit wir bei der zweiten Frage wären: Wie sieht die Zielgruppe aus?

Als Erwachsenenhotel lade ich keine Mamibloggerin ein. Wenn meine Zielgruppe 50+ ist, macht eine 20-jährige YouTuberin keinen Sinn und wenn ich eine Naturkosmetiklinie launche, lade ich keinen Blogger ein, der schwerpunktmäßig über konventionelle Produkte schreibt.

Wenn ich mich für eine Nische, die zu meinem Produkt passt, entschieden habe und meine eigene Zielgruppe mit der Zielgruppe des Influencers abgeglichen habe, gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Hierbei ist es wichtig, zu wissen:

3) Die Followerzahlen auf Social Media Kanälen sind leider allzu häufig gefaked.

Aber no worries, denn es lässt sich zum Teil auch von außen überprüfen, ob ein Blogger aufrichtig oder mit gekauften Followern unterwegs ist. Mit dem Stern TV Like Check kann man sich beispielsweise die Zusammensetzung einer Facebook Fanpage anschauen. Lebt der Großteil der Follower in Pakistan, Indien oder Bangladesh, darf davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei nicht um Follower handelt, die sich für mein Produkt interessieren.

Gekaufte Instagram Follower lassen sich oft ganz gut anhand der Interaktionsrate ermitteln. Eine gute Interaktionsrate liegt bei 4,5%. Hat ein Influencer 40.000 Instagram Follower, aber nur +/- 100 Likes unter jedem Bild, darf man sich ebenfalls fragen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht.

Last but not least, lohnt es sich, die Blog-URL mal bei similarweb.com einzugeben, um einen groben Anhaltspunkt über die Zugriffszahlen zu bekommen. Hier wird die Anzahl der Sitzungen des vergangenen Monats sowie die Entwicklung des Blogs über das letzte halbe Jahr angezeigt. Die Zahl der Unique Visitors eines Blogs liegt logischerweise immer unter der Zahl der Sitzungen. Zeigt SimilarWeb also beispielsweise 20.000 Sitzungen an und der Blogger gibt in seinem Media Kit (dazu später mehr) an, 40.000 Unique Visitors zu haben, so dürfen diese Zahlen ebenfalls angezweifelt werden.

4) Was außerdem gerne ignoriert wird: Die Followerzahlen auf den einzelnen Social Media Kanälen sind nicht gleichzusetzen mit realer Reichweite!

Die meisten potentiellen Kooperationspartner und Agenturen schauen bei der Auswahl eines Influencers auf die Followerzahlen der Social Media-Kanäle. Hierbei ist es wichtig, sich vorab darüber im Klaren zu sein, dass ein Influencer keine Kontrolle über seine Social Media Kanäle hat. Sowohl Facebook, als auch Instagram arbeitet mit einem Algorithmus, der dafür sorgt, dass nur einem Bruchteil der Follower die Posts des Influencers angezeigt werden.

Check: Selbst wenn ein Influencer 100.000 Instagram Follower hat und die Interaktionsrate passt, wird nicht jedes Bild 100.000 Menschen angezeigt! Die Reichweite wird immer runtergedrosselt und liegt bei Facebook Fanpages durchschnittlich bei gerade mal 5-10%. 

5) Last but not least: Passt das Image des Influencers zu meinem Produkt?

Nachdem Nische und Zielgruppe klar definiert und sämtliche Follower-Zahlen auf ihr Fake-Potential hin abgeklopft wurden, lohnt sich ein weiterer Blick in den Instagram-Account. Dieses Mal geht es allerdings nicht um nackte Zahlen, sondern viel mehr um nackte Tatsachen. Will heissen: Finde ich dort Nacktfotos? Veggieschnitzel großer Fleischkonzerne? Kooperationen mit Lebensmitteldiscountern oder Automobilherstellern? Alkohol? Alles keine Seltenheit. Würde ich als Spa im High Budget Bereich in einem Printmagazin eine Anzeige kaufen, um dann zwischen Fleischersatzprodukten, Nacktaufnahmen und Lidl zu landen? Vermutlich eher nicht. Aber man muss nicht lange scrollen, um Werberampen von Influencern mit klarer Linie zu unterscheiden. Fassen wir also abschliessend nochmal zusammen:

Ein passender Nischenblog ist fast immer sinnvoller als ein Lifestyleblog. Ein passender Nischenblog ohne gefakte Zahlen ist noch sinnvoller. Und wenn dieser Nischenblog dann auch noch eine klare Linie in Bezug auf Kooperationen mit anderen Unternehmen fährt, lohnt es sich, ein Media Kit anzufordern.

Wie die erste Kontaktaufnahme im Idealfall abläuft, erkläre ich demnächst in einem weiteren Post. (Edit: Here we go!) Denn auch hier gibt es einiges zu beachten. Stay tuned!

Jenny