My Personal Bikini Body Guide? Just wear a fucking bikini #thereisnochallenge

Bikini ChallengeLiebe Leute, wir müssen reden. Vorgestern hatte ich den Post eines Tee-Herstellers in meinem Instagram Feed, der mich dazu aufforderte, einen „Bikini Summer Guide“ downzuloaden.

Am selben Abend entdeckte ich auf Instagram erstmalig den Hashtag #abgerechnetwirdamstrand und zu allem Überfluss verkündete ein großes Yoga Onlinestudio noch am selben Abend, dass die Bikini Challenge dieses Jahr in die zweite Runde geht.

In meinem Kopf ploppte sofort folgende Frage auf: Ladies? WHAT THE FUCK?

Ich bin ganzjährig in Nassbereichen unterwegs und trage somit unentwegt Bikinis. Ich füge ganz bewusst ein Bikinifoto in diesen Post hier mit ein und auch, wenn jetzt die Mehrheit schreien wird „Na, Du hast ja gut reden! Du bist ja auch schlank“, so möchte ich euch versichern, dass ich keineswegs aussehe wie die drahtigen Weizengrasmädchen in meinem Instagram Feed. Ich trage Größe S in Oberteilen und Größe L bei Hosen. Will heissen: Eher kleine Brüste bei eher breitem Becken. Und natürlich habe auch ich Cellulite. Wie so ziemlich jede andere Frau auch. Denn das ist ganz normal! 

Social Media Kanäle, Magazine und Werbung verkaufen uns nicht die Realität! In den vergangenen Jahren lagen so viele Top VIPs nackt vor mir und auch bei diesen Menschen kommen Dellen und Tattoos zum Vorschein, die normalerweise wegretuschiert werden. Lasst euch doch bitte nicht verarschen!

Sich zu bewegen, weil Bewegung gut tut und Spaß macht, hat nicht im entferntesten etwas mit diesen ganzen kranken Workouts und Challenges in meinen Social Media Kanälen zu tun. Ihr merkt schon, das macht mich richtig sauer. Weil es nämlich nach außen als „healthy Lifestyle“ verkauft wird.

Ich komme nicht umhin, mich öffentlich zu dieser Thematik zu äußern, denn:

Punkt 1:

Es gibt unterschiedliche Konstitutionstypen: Sehr schlacksige Menschen, die essen können, so viel sie wollen, eher athletische Typen und solche mit stabilem Körperbau (Vata, PittaKapha) und an der Konstitution lässt sich nunmal nichts ändern. Also: Deal with it!

Punkt 2:

Es gibt Bikinis in allen Größen. Demzufolge hat jede von euch da draußen bereits einen „Bikini Body“. Ihr müsst einfach nur einen Bikini kaufen, der euch passt, ihn anziehen und fertig.

Punkt 3:

Bodyshaming hat nichts, und zwar rein gar nichts mit Yoga zu tun. Wenn euch ein Yogastudio sagt „Mach dieses Programm und starte glücklich in den Sommer“, dann unterstellt es euch, dass ihr mit eurem aktuellen Körper unglücklich seid. Und das ist verdammte Scheisse das Gegenteil von dem, was Yoga vermitteln sollte. Denn ihr seid gut und richtig und toll, und zwar genau so, wie ihr jetzt ausseht. Fokus! Gegenwart!

Frauen im Jahr 2016 tun zwar oh so emanzipiert, aber diese ganze Thematik ist meiner Meinung nach der feministische Supergau. Frauen posten Bilder ihrer Körper nach dem Workout im Seitenprofil und verkaufen es als Stärke – absurderweise nicht selten in Kombination mit Hashtags wie #girlboss oder #girlpower.

Und liebe Ladies, dieses ganze Problem ist ein Frauending. Es hat mit Männern so rein gar nichts zu tun. Zu mir hat zumindest noch nie ein Mann gesagt „Zieh‘ Dich bitte wieder an, Du hast kein Sixpack.“ Männer freuen sich einfach immer, wenn wir uns ausziehen. Ich meine, c’mon! Das ist keine sehr komplexe Angelegenheit. Ob es Männer also ernsthaft stören würde, wenn alle Frauen dieses Selbstgeißelungsprogramm einfach beenden? Höchstwahrscheinlich nicht, denn meiner Erfahrung nach stehen Männer in erster Linie auf entspannte Frauen. Es wäre also an uns selbst, diesem ganzen Challenge-Mist einfach ein Ende zu setzen und uns nicht mehr länger öffentlich mit anderen Frauen zu batteln. Es wäre einzig und alleine an uns, damit aufzuhören, die Körper anderer Frauen zu beurteilen und ab sofort ein entspanntes Leben zu führen.

Ich weiss, dass dieser kleine Ausbruch schneller in den Weiten des World Wide Web verhallen wird, als ich „Bodyshaming“ sagen kann, schliesslich leben wir in einer Zeit in der „Germany’s next Topmodel“ abartig hohe Einschaltquoten erreicht und Frauen auf Social Media Kanälen gehyped und gefeiert werden, die ein pathologisches Ess- und Bewegungsverhalten an den Tag legen.

Dennoch werde ich ab sofort auf jegliches Bodyshaming in meinen Feeds dahingehend reagieren, als dass ich die betreffenden Accounts deabonniere. Ich möchte so einen Mist als Follower nicht länger unterstützen. Und wenn es euch in dieser Angelegenheit nur ein bisschen so ergeht wie mir, möchte ich euch hiermit ermutigen, es mir gleichzutun. Denn nur so kann ein neues Bewusstsein für Körperakzeptanz geschaffen werden und nur so können wir jungen Mädchen adäqat vermitteln, dass Wert und Wertigkeit nichts mit äußeren, antrainierten, operierten oder abgehungerten Attributen zu tun hat.

Kauft euch einen Bikini, der passt und habt einen umwerfenden Sommer!

Jenny