Selbstgeißelung unter dem Deckmäntelchen der Spiritualität

Selbstgeißelung unter dem Deckmäntelchen der SpiritualitätIhr wisst ja, dass es hier um Entspannung geht. Und ihr wisst auch, dass es hier nicht so oft reine Meinungsposts gibt. Aber ich muss heute einfach mal loswerden, wie sehr mich die Selbstgeißelung unter dem Deckmäntelchen der Spiritualität nervt.

Wir Betreiber von „Gesundheits- & Wellness Webseiten“ heben uns ja ziemlich stark ab von konventionellen Frauenmagazinen. Wir stehen über den Dingen.

Wenn wir uns morgens unser Spirulina in den grünen Smoothie kippen und unsere healthy Acai Breakfast Bowl mit schweineteurem Chia-Samen toppen, dann starten wir so richtig fresh und energiegeladen in den Tag. Wir würden unsere Quinoa Lunch Bowl nie im Leben gegen eine Pizza des Lieblingsitalieners aus unserem früheren Leben eintauschen. Kaffee haben wir uns schon lange abgewöhnt und zu unserer Morgenroutine gehört selbstverständlich auch immer eine Meditation. Die Morgenroutine ist wichtig, lasst euch das gesagt sein. Jeder Spirit Junkie hat eine Morgenroutine.

Auf unserem kleinen Altar steht ein Bild von Gabby Bernstein, denn Gabby ist der Erleuchtung verdammt nah. Schliesslich würde sie sonst verhungern, wo sie doch nur ein paar Gurkenscheibchen frühstückt. Wir verehren Gabby.

Und während wir dann im Kopfstand in den Yogaleggings der neuesten Kollektion des angesagtesten Labels verweilen, sind wir ganz bei uns. Ungute Gefühle gibt es nicht. Und falls sie doch mal auftauchen sollten, widmen wir ihnen einen eigenen Artikel und nehmen euch mit in die Abgründe unserer Persönlichkeitsfindung.

Wir haben uns, wie es sich für Yogis und Spirit Junkies gehört, selbstredend vollends losgesagt von unserem Ego und im Prinzip urteilen wir auch nicht, aber Online Bikini Challenges machen halt einfach Spaß. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen! Die Selbstdarstellung in unserem Instagram Feed dient lediglich der Inspiration. Wir werten und vergleichen nicht.

Ja, liebe Leute, wir heben uns wirklich ab von konventionellen Frauenmagazinen. Denn bei uns geht es nicht um Selbstgeißelung. Wir sind wirklich frei. Elizabeth Gilbert hat uns in „Eat Pray Love“ gezeigt, wo das Spiri-Häschen langhoppelt. Denn wenn wir nur tief genug abtauchen in die Abgründe unserer Persönlichkeit und uns exzessiv genug mit Mustern beschäftigen und blöde Erfahrungen aus der Vergangenheit zerpflücken, dann schickt uns das Universum den Traummann vorbei. Jackpot, oder?

Liebe Leute, ich appelliere an euren Verstand und euer Bauchgefühl! Denn alternativ könnte man diesem ganzen Theater auch einfach beide Mittelfinger zeigen und eine gute Zeit haben. Essen, worauf man Appetit hat. Sport machen, wenn einem danach ist. Und das Leben in vollen Zügen genießen. Denn das Leben besteht nunmal aus Höhen und Tiefen. Auf ein Dauerhoch hinzuarbeiten, indem man sich nur lange genug mit den bisherigen Tiefen beschäftigt, scheint mir ein ziemlich dämlicher Ansatz zu sein.

Das Leben poliert uns nunmal dann und wann die Fresse. That’s the game! Und ich fürchte, das lässt sich durch Acai Bowls zum Frühstück nicht unbedingt vermeiden. Wäre es also nicht klug, diese ganze Spiri-Selbstgeißelung über Bord zu werfen und jeden Tag so zu leben, wie es uns glücklich macht? Ich bin mir nämlich gar nicht so sicher, ob unser Körper uns dafür abstraft, wenn wir ihm mal Schokokuchen zum Frühstück geben oder am Abend ein Konzert der Lieblingsband besuchen, tanzen bis uns schwindelig wird und dabei Alkohol trinken. Wer sagt, dass unser Körper nicht genau das gut findet, was uns im tiefsten Inneren glücklich macht? Und warum hören wir nicht auf diese Stimme und orientieren uns stattdessen an der Morgenroutine von „Gesundheits- & Wellness Webseiten“?

Warum verkneifen wir uns Kaffee, obwohl er uns schmeckt? Warum zwingen wir uns zum HIIT Workout oder zur Yogaklasse, obwohl es uns gerade sehr glücklich macht, im Bett zu liegen, uns die Sonne in’s Gesicht scheinen zu lassen und ein schönes Buch zu lesen? Warum hören wir so viel mehr auf andere als auf die Stimme in uns selbst?

Vielleicht sollten wir uns alle mal locker machen.

Jenny