Perfektes Spa oder Top Behandler? Warum ihr euch meistens für eins von beidem entscheiden müsst…

Perfektes Spa oder Top BehandlerMit dem heutigen Post werde ich mir nicht ausnahmslos Freunde machen. Aber da mich unglaublich oft die Frage nach dem tollsten Spa inklusive Top-Behandlungstipp erreicht, dachte ich mir, ich bringe dazu mal einen eigenen Post.

Mittlerweile gibt es hier über 100 Empfehlungen in der Kategorie „Spa Tests“, darunter 70 City Spas, 25 überragende Behandler und 20 Wellnesshotels. (Und da ich ja nur veröffentliche, was mich überzeugt, habe ich in den letzten 4 Jahren weit mehr als 100 Sachen ausprobiert.) Ich würde mal behaupten, dass sich da mittlerweile ganz gute Erfahrungswerte angesammelt haben. Und eine sich zunehmend manifestierende Erkenntnis ist die, dass ein perfektes Spa Setting und richtig gute Behandler leider nicht so häufig am selben Ort anzutreffen sind. Autsch.

Aber warum ist das wohl so? Ein Spa, in dem man den perfekten Day Spa verbringen kann, wartet mit einem umwerfenden Setting auf. Wohlfühlige Atmosphäre, fancy Intérieur und ein Konzept, das sich wie ein rosa Faden durch den ganzen Laden zieht. Nassbereiche sind immer eine sehr kostspielige Angelegenheit. Und umwerfende Nassbereiche eine noch viel kostspieligere. Ist an diesen Orten für ebenso umwerfende Behandlerinnen und Behandler dann einfach kein Restbudget mehr vorhanden?

Davon ganz losgelöst mache ich nun seit fast 4 Jahren auch immer wieder die Erfahrung, dass freiberufliche Behandler(-innen) unter’m Strich die besseren Treatments geben. Das hat höchstwahrscheinlich nichts damit zu tun, dass sie die besseren Behandler(-innen) sind, sondern mag viel mehr daran liegen, dass sie in der Regel nicht 8 Stunden am Tag durchgehend Öl verteilen. Angestelltem Spa Personal, das für Körperanwendungen zuständig ist (bei Maniküren, Pediküren, Facials oder Waxing/Sugaring stelle ich das nicht fest), merkt man die Kraft- und Energielosigkeit oft an. Da ich selbst schon auf einem Kreuzfahrtschiff im Akkord massiert habe, kenne ich dieses Gefühl auch aus der Behandlerperspektive.

Man kann den angestellten Behandler(-innen) da keinen Vorwurf machen, denn durch ihre weisungsgebundene Tätigkeit sind sie nicht in der Lage, diesbezüglich Einspruch zu erheben. Ich bin mir aber sicher, dass man (würde man die Wirtschaftlichkeit und die Auslastung mal für einen Moment außen vor lassen) im ehrlichen und aufrichtigen Dialog die Rückmeldung bekommen würde, dass sie nach 8 Stunden durchmassieren platt sind und dass die Regenerationszeit bis zum nächsten Schichtbeginn oft nicht ausreicht, um die Akkus wieder aufzuladen. Der sensible Gast (und dazu zähle ich mich selbst auch) merkt dem angestellten behandelnden Personal die Energie- und Kraftlosigkeit oft an. Ein Punkt, dem Spabetreiber allerdings keine allzu große Bedeutung beizumessen scheinen.

Die Behandlungen bei Freiberuflern fühlen sich für mich als Gast in der Regel weniger kraft- und energielos an. Aber Freiberufler sind (wenn man es auf die einzelne Behandlung runterbricht) nicht nur „teurer“ als angestelltes Personal, sondern verkaufen sich auch nur in den seltensten Fällen unter Wert. Daher geht die Wahrscheinlichkeit, dass ihr sie in einem hippen und durchgestylten Spa Tempel mit der perfekten Hardware antrefft, gegen Null. Das ist nicht cool, ich weiss. Aber es gibt wirklich nur noch sehr, sehr, sehr wenige Spas, die mit Freiberuflern arbeiten und ihnen faire Konditionen zahlen.

Was ist also die Antwort auf diese mir so oft gestellte Frage? Meiner persönlichen Erfahrung nach würde ich in einem fancy Spa mit der perfekten Hardware eine kosmetische Behandlung einem Body Treatment aus den oben genannten Gründen immer vorziehen. Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, solltet ihr euch vorab also überlegen, wo eure Prioritäten liegen. Wenn ihr auf der Suche nach einem richtig guten Body Treatment seid, würde ich euch empfehlen, links in der Tag Cloud auf I LOVE SPA STAR zu klicken – sucht ihr hingegen nach der perfekten Location für einen Day Spa, auf Wellnesshotel bzw. City Spa.

Dieser Ratschlag bezieht sich auf Deutschland. In Österreich verhält sich die Sachlage anders. Aber in Österreich arbeitet ja auch ausschliesslich ausgebildetes Personal am Gast. Dort hatte ich auch in größeren Wellnesshotels noch nie schlechte Massagen. In Deutschland hingegen werde ich sehr häufig lustlos eingeölt.

Aber Achtung wichtig: Ich behaupte hiermit nicht, dass ihr prinzipiell keine guten Behandlungen in Wellnesshotels und City Spas bekommt, sondern lediglich, dass das statistisch gesehen seltener der Fall ist. Ich würde es begrüßen, wenn an diesen Orten fähigem und ausgebildetem Personal im Bereich der Ausgaben mehr Bedeutung und Budget beigemessen würde.

Das heisst, man müsste sich erstmal darauf einigen, das behandelnde Personal besser zu bezahlen. Alleine dadurch würde man vermutlich bereits mehr gute Leute anziehen. In Bezug auf angestelltes Personal, das Körperbehandlungen gibt, müssten Regelungen gefunden werden, bei denen niemand 8 Stunden durchgehend am Gast tätig ist. Bei meinem Besuch im Lush Spa zum Beispiel hatte mich nachhaltig beeindruckt, dass kein Behandler mehr als 4 Treatments am Tag gibt.

Es gibt Spas, in denen Behandler auch als Rezeptionisten eingesetzt werden, was das tägliche Pensum an energetischer Arbeit reduziert und somit unter’m Strich ganz automatisch für qualitativ bessere Behandlungen sorgt. Und last but not least müssten wir uns in Deutschland dann auch mal dem Image Problem zuwenden, das der Spa Branche anhaftet. Denn eines ist sicher: Solange Kosmetikerinnen mit Kunstnägeln klassische Massagen geben, weil sie einfach „günstiger“ sind als ein ausgebildeter Masseur und zeitlich ausgelastet werden müssen, wird sich an dem Image, das der Tätigkeit „Spa Therapist“ in Deutschland anhaftet, nichts ändern.

Gerade in einer Zeit, in der der Endverbraucher immer besser Bescheid weiß und sich nicht mehr mit exotischen Treatmentnamen von miesen Behandlungen ablenken lässt, wird es langfristig gesehen unabdingbar sein, dass wir uns in Deutschland dem Thema „faire Bezahlung“ und „Qualitätssicherung“ zuwenden. In jeder brancheninternen Diskussion zum Thema „aktuelle Spa Trends“ wird klar, dass wir langfristig um ordentliche Behandler nicht umherkommen.

Denn sind wir doch mal ehrlich: Egal, wie durchgestyled und fancy ein Spa sich hardware-technisch präsentiert – am Ende sind es doch die Behandler(-innen), die maßgeblich mitbestimmen, mit welchem Gefühl der Gast geht und ob er wiederkommt.

Jenny