Liebe Startups, wir müssen reden. Blogger Bullshit Bingo und der Wert meiner Arbeit.

Ich weiss, es ist ein mehr oder weniger allgegenwärtiges Thema unter Bloggern, aber nach der vergangenen Woche ist auch bei mir das Maß voll und ich muss mich mal in einem eigenen Post dazu auslassen. Ihr erinnert euch ja sicherlich noch an den Post über mein Coaching Ende 2015? Soweit, so wunderbar. Ich habe den Wert meiner Arbeit verinnerlicht und mein Media Kit überarbeitet. Wer jetzt an ein Happy End denkt, der irrt sich allerdings ganz gewaltig. Denn es fühlt sich jeden Tag auf’s Neue an, als würde ich mit Anlauf gegen eine Wand rennen.

Das Problem ist folgendes: Meine Arbeit scheint, da sie online stattfindet und nirgendwo abgedruckt wird, augenscheinlich keinen Wert für mein Gegenüber zu haben.

Lustigerweise gab es noch nie negatives Leserfeedback ob der Monetarisierung dieses Blogs. Das bestärkt mich darin, dass ich diesbezüglich wohl irgendetwas richtig mache und authentisch selektiere. Ich musste mich noch kein einziges Mal rechtfertigen und wurde noch nie dumm angemacht. Bei keiner einzigen Kooperation. Wie großartig ist das bitte? Man sollte also meinen, dass dem Erfolg somit nichts mehr im Weg stehen dürfte, richtig? Naja.

Ich hatte in der vergangenen Woche 23 Anfragen von „kleinen Startups ohne Budget“. Zum Teil wirklich coole Produkte, die super zum Blog passen würden. Aber die Erwartungshaltung an mich war jedes einzige Mal, das Produkt unentgeltlich zu bewerben. Darüberhinaus gab es 5 Anfragen für Gastposts. Es steht zwar im Impressum, dass ich aus Prinzip keine Gastposts veröffentliche, aber die Vorstellung, die eigene Werbebotschaft selbst ausformuliert auf I LOVE SPA veröffentlicht zu sehen, scheint einfach zu verlockend.

Ich wurde auf der Vivaness zugeschüttet mit Gratisprodukten – zum Großteil höchstwahrscheinlich in der Erwartungshaltung, dass sie hier unentgeltlich beworben werden. Unter anderem auch von Firmen, mit denen ich bereits in Kontakt stand und die mir versicherten, kein Budget für eine Kooperation zur Verfügung zu haben.

Ein Unternehmen, das sich im Bereich „Onlinebuchung von Treatments“ positioniert hat, antwortete auf mein Media Kit wie 99% aller anderen Unternehmen mit „Wir haben leider kein Budget“ und noch am selben Tag fuhr eine Tram an mir vorbei, die allover mit der Werbebotschaft des besagten Unternehmens bedruckt war. Ein weiteres „kleines Startup ohne Budget“ warb kürzlich an allen Tafeln einer Berliner U-Bahn-Station und ich frage mich ernsthaft: Wollt ihr mich eigentlich alle verarschen? Denkt ihr, ich bin total bescheuert und merke das nicht?

Es erreichen mich immer wieder Einladungen von Hotels, die meinen Tagessatz als sehr anmaßend belächeln. Journalisten würden ja wohl auch keine Rechnung stellen. Und die An- und Abreisekosten möge ich doch bitte selbst tragen. Ich soll also nicht nur Gratismarketing betreiben, sondern auch noch privat draufzahlen. Darf ich an dieser Stelle erwähnen, dass meine Konditionen, verglichen mit Anzeigen im Print, ein Witz sind und dass der Content nicht nach kurzer Zeit im Altpapier landet?

Ich darf aufgrund der aktuellen Zugriffszahlen mittlerweile behaupten, dass es hierzulande kein anderes Medium (Online oder Print) gibt, mit dem man monatlich eine größere Zahl spa-affiner Endverbraucher erreicht. Was für ein Potential! Und ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich mich hier in einer Branche bewege, die weiterhin wächst und sehr wohl Kohle zur Verfügung hat. Dennoch immer wieder der gleiche Satz: „Für Blogger haben wir kein Budget.“

Nächsten Monat findet hier in Berlin die ITB (Internationale Tourismus Börse) statt. Das ist eine Messe. Ich wurde nicht akkreditiert und das wurde folgendermaßen begründet: „Wir akkreditieren nur Reiseblogger und Blogger, die über eine gewisse Reichweite verfügen.“ Ich wies im Folgenden darauf hin, dass im Rahmen der ITB das Fachforum Wellness stattfindet (neben dem SpaCamp und der Spa Business Lounge wohl eine der wichtigsten brancheninternen Fachveranstaltungen) und dass ich der größte und reichweitenstärkste deutsche Spa Blog bin. Fazit: Sie schenken mir ein Tagesticket für den Donnerstag, an dem das Fachforum Wellness stattfindet. Zu gütig.

Ich habe das Gefühl, unentwegt zu kämpfen und mich für den Wert meiner Arbeit rechtfertigen zu müssen. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr mich das anstrengt.

Die letzte Woche war nicht ohne. Ich war in Leipzig, 24 Stunden in den Bergen, hatte 2 Tage lang einige Termine in München, war für 4 Stunden in Nürnberg auf der Vivaness und 2 Tage im Spreewald. Denn wer über Spas schreibt, muss auch Spas ausprobieren. Und die liegen ja nicht immer alle direkt vor der Haustür. Ich liebe diesen Blog und ich liebe auch die Arbeit, die damit verbunden ist. Das steht vollkommen außer Frage. Aber es ist und bleibt verdammt nochmal Arbeit und ich kann den Blog nicht in diesem Umfang bespielen, wenn niemand bereit ist, mich für diese Arbeit zu bezahlen!

In der Facebook Gruppe „Bloggerinnen und Blogger gesucht“ durften sich am Wochenende Blogger bewerben, um ein Hotel zu testen und Gratiscontent zur Fremdnutzung zu generieren. An- und Abreise auf eigene Kosten, das versteht sich ja von selbst. Darf man sich über dieses Geschäftsgebaren aufregen, solange es genug Blogger gibt, die sich auf solche Shoutouts hin ernsthaft „bewerben“ und die Arbeit umsonst machen? Ja, man darf.

Denn es ist an der Zeit, dass auch Unternehmen checken, dass es zum einen Blogger gibt, die hobbymäßig „ein bisschen bloggen“ und sich über Gratisprodukte freuen und dass es zum anderen Blogger gibt, die das hauptberuflich tun und dass es jeglichen Anstands entbehrt, sie für diese Arbeit nicht bezahlen zu wollen.

Kürzlich ereignete sich ein Shitstorm in meiner privaten Facebook Timeline. Stumpfes und pauschales Bloggergebashe von Seiten ausgebildeter Journalisten. Das ist alles so anstrengend. Ich habe keine journalistische Ausbildung und habe darüberhinaus auch nie behauptet, journalistisch tätig zu sein. Alle meine Texte sind subjektive Erfahrungsberichte und ernstgemeinte subjektive Empfehlungen.

Dass so viele Menschen sich für diese subjektiven Geschichten interessieren und gleichzeitig ein Großteil der Journalisten mit Existenzängsten zu tun hat, ist aber verdammt nochmal nicht meine Schuld, sondern dem sich zunehmend verändernden und immer digitaleren Nutzungsverhalten des Endverbrauchers geschuldet.

Also, liebe Hotels und kleine Startups: Blogger Bullshit Bingo macht mich nicht nur sauer, sondern ist auch strategisch und langfristig gesehen einfach keine gute Idee.

Was lernen wir also aus der ganzen Nummer? Ich sollte dringend wieder mehr massieren und weniger bloggen, um Wertschätzung für meine Arbeit zu erfahren, denn das Gegenteil bereitet einem ernsthaft ungute Gefühle, die sich nicht so easy abschütteln lassen. Darüberhinaus sollte ich vermutlich an meiner Geduld arbeiten, denn einzig und alleine die Zeit, und das damit verbundene veränderte Nutzungsverhalten des Endverbrauchers, wird auch den letzten Marketingmenschen und das kleinste Startup ohne Budget lehren, dass eine Veröffentlichung auf einem kompatiblen und professionellen Online-Medium vielleicht und ganz eventuell sogar einen größeren Mehrwert hat, als das zur Verfügung stehende Marketing-Budget weiterhin zu 100% im Print zu versenken.

Aber vorerst schalte ich vielleicht einfach mal einen Gang zurück, um nicht durchzudrehen und mich nicht vollends aufzureiben an diesem ganzen Wahnsinn.

Peace out!

Jenny

P.S: Das Kätzchen auf dem Bild ist eine Illustration der wunderbaren EMM. Checkt unbedingt mal ihr Tumblr und ihre Facebook Page!