Geh-Meditation von und mit Thich Nhat Hanh

Geh-Meditation

Über Geh-Meditation zu schreiben steht (wie ein Post über Reiki) schon ziemlich lange auf meiner To Do-Liste, denn in einer Zeit, in der die meisten von uns unter Strom von A nach B hechten, wird der Weg selbst zumeist ja eher als störend und zeitraubend empfunden. „Der Weg ist das Ziel“, so ein ziemlich ausgelutschtes Sprichwort. „Das Gehen ist kein Mittel zum Zweck, sondern der Zweck an sich“ heisst es in dem Buch, um das es heute gehen soll.

Bei der Denkpause, über die ich kürzlich geschrieben habe, gab es auch eine Geh-Meditationssequenz, bei der ich aber nicht mit am Start war. Also hab‘ ich mir das Buch „Geh-Meditation“ von Thich Nhat Hanh und Hguyen Anh-Huong (einer seiner Schülerinnen) besorgt, weil ich vieles von dem, was Thich Nhat Hanh so sagt, ziemlich gut finde und weil aus diesem Grund auch schon einige seiner Bücher in meinem Regal stehen.

„Geh-Meditation“ besteht aus weniger als 100 viereckigen und zudem euch noch eher kleinen Seiten, kommt dafür aber zusätzlich sowohl mit einer DVD, als auch mit einer CD um die Ecke. Die DVD ist im vorderen Einband des Buches eingefügt und beinhaltet eine 30-minütige Sequenz, in der Thich Nhat Hanh vor einer Gruppe von Menschen über Geh-Meditation spricht. Dem Kleidungsstil der Gruppe nach zu urteilen, dürfte es sich dabei um ein Filmchen aus den 80er Jahren handeln, das sich jedoch aufgrund seiner Rede über Boat People als aktueller denn je entpuppt.

Diese erste DVD ist super, um ein Gespür dafür zu bekommen, was Geh-Meditation überhaupt ist. Außerdem wird bereits in diesen 30 Minuten sehr deutlich, worauf es ankommt: Stepping, Breathing, Counting, Smiling. (Der Film ist auf englisch mit deutschen Untertiteln.)

Thich Nhat Hanh redet viel über Achtsamkeit und „Happiness“. Er erklärt, wie die Schritte gemessen und über den bewussten Atem gezählt werden. Den Boden unter den Füßen fühlen. 3 Schritte einatmen, 3 Schritte ausatmen und so weiter. Durch das Zählen bleibt die Achtsamkeit erhalten. Lächeln. „Das Lächeln ist der Beweis dafür, dass Du über Dich selbst bestimmen kannst“, so Thich Nhat Hanh.

Also: Stepping, Breathing, Counting, Smiling.

Was mir besonders gut gefällt, ist sein alltagstauglicher Ratschlag, nicht zu langsam, zu gehen, damit die Leute sich nicht wundern. Macht zweifelsohne Sinn, wenn man das im nächstgelegenen Park mal ausprobiert. Zumindest reduziert es die Wahrscheinlichkeit, dass alle anderen einen für vollkommen durchgeknallt halten und jemand die Polizei oder den Krankenwagen ruft.

Nach der DVD macht es Sinn, sich das Buch vorzuknöpfen. Es wurde geschrieben von Hguyen Anh-Huong, enthält aber zahlreiche Zitate von Thich Nhat Hanh, wodurch es sich meiner Meinung nach von seinen Büchern nicht groß unterscheidet. Gleich zu Beginn geht es um Meditation und Achtsamkeit an sich und man wird aufgefordert, sich hinzusetzen, 10 Atemzüge bewusst zu atmen und mitzuzählen. Hier kommt nun bereits die CD, die am Ende des Buchs eingefügt ist, mit in’s Spiel. Sie enthält 5 Tracks, der erste davon zur bewussten Atemmeditation (und 4 weitere zur Gehmeditation). Auch hier wieder extrem motivierend und alltagstauglich: Schon 5 oder 10 Atemzüge still zu sitzen und bewusst zu atmen, ist eine äußerst annehmbare Leistung! Wer mehr Achtsamkeit in seinen Alltag bringen möchte, sollte sich lieber kleine Ziele setzen, die jeden Tag auf’s Neue auch wirklich erreicht werden können.

Da wir uns mittlerweile im Jahr 2016 befinden und die wenigsten Menschen noch einen Discman besitzen, würde ich persönlich es ganz cool finden, wenn statt dieser CD ein Code zum Download der Tracks beiliegen würde. So könnte man sie runterladen und direkt auf sein Smartphone oder einen MP3-Player ziehen. Das wäre – was die Tracks zu den Gehmeditationen angeht – auf jeden Fall sehr viel unkomplizierter.

Die folgenden drei Tracks sind dann die „Langsame Gehmeditation“, die „Gehmeditation in der Natur“ und die „Gehmeditation an öffentlichen Plätzen“. Bei der langsamen Gehmeditation wird das Zählen der Schritte in Verbindung mit der bewussten Atmung oder alternativ die Arbeit mit Worten nochmal erklärt. Bei der Gehmeditation an öffentlichen Plätzen lernt man, dass diese Meditation in einer Großstadt ebenso gut funktioniert wie in der Natur. Man sollte lediglich ein bisschen mehr Zeit einplanen, damit man sich nicht beeilen muss und seine Schritte genießen kann.

Der fünfte und letzte Track beschäftigt sich mit Emotionen, die bei der Gehmeditation (genauso wie bei jeder anderen Meditation beziehungsweise immer, wenn der Geist zur Ruhe kommt) aufkommen können. Es wird erklärt, wie man eben diese Emotionen anlächelt, umarmt und annimmt. Ein wichtiges und großartiges Kapitel – nicht nur in Bezug auf Meditation.

Fazit: Die Geh-Meditation gehört zu den aktiven Meditationen und ist daher für Anfänger höchstwahrscheinlich besser geeignet als aktive Meditationsformen. Für das Buch ist keinerlei Vorerfahrung notwendig. Wie in jedem Thich Nhat Hanh-Buch in meinem Regal liegt der Fokus auf der Achtsamkeit. Das Bild, mit jedem einzelnen Schritt den Boden mit meinen Füßen anzulächeln, gefällt mir außerordentlich gut. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die joggen gehen, laufe aber häufig nach der Arbeit die 5 Kilometer nachhause, anstatt die U-Bahn zu nehmen oder drehe abends, wenn mir nach langer Arbeit am Computer der Kopf schwirrt, gerne auch mal noch eine Runde um den Block. Bisher war dabei jeder Schritt für mich ziemlich selbstverständlich. Ich vermute, das wird sich in Zukunft ändern.

Ich war auch vorher schon ein großer Fan von Thich Nhat Hanh, kann dieses Buch ganz losgelöst davon aber jedem nur wärmstens an’s Herz legen, der ein bisschen achtsamer durch’s Leben „gehen“ möchte.

Ich möchte diesen Post mit einem Auszug des Schlussworts Thich Nhat Hanh’s beenden: „Während du dich um das Loslassen deiner Sorgen und Ängste bemühst, bitte, lächle. Es ist vielleicht nur der Anflug eines Lächelns, aber lass es weiter da sein und auf deinen Lippen ruhen. Es ist dem stillen Lächeln des Buddha sehr ähnlich. Während du lernst zu gehen, wie der Buddha gegangen ist, kannst du auch lächeln, wie er lächelte. Warum denn warten, bis du vollkommen verwandelt, vollkommen erwacht bist? Du kannst jetzt gleich damit anfangen, ein Teilzeit-Buddha zu sein!“

Jenny

Das Buch wurde mir kostenfrei zur Verfügung gestellt. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Empfehlung. Ich schreibe nur über Dinge, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich sie selbst gekauft habe oder ob sie mir kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.