Mein erstes Coaching – starring Sonja Seirlehner

Coaching mit Sonja SeirlehnerIhr wisst ja, dass ich mittlerweile auch regelmäßig für Vorträge gebucht werde. Es macht mir riesig Spaß, vor vielen Leuten zu reden und daher war es auch kein Problem für mich, beim diesjährigen SpaCamp gleich 2 Themenvorschläge einzureichen.

Einer der beiden Themenvorschläge bekam die meisten Klebesternchen und wurde somit zur ersten Session im größten Raum gevotet. Hier könnt ihr reinschnuppern. Es ging Tanja, Katja und mir eigentlich darum, aufzuzeigen, warum Blogs im Marketing Mix (Betonung auf Mix) eine gute Idee sind. Aber irgendwie mündete die Session im klassischen Blogger-Journalisten Fight und ich wurde massiv dafür angegriffen, dass ich meinen Blog monetarisiere. Dummerweise fing ich irgendwann an, mich zu rechtfertigen, denn die Angriffe waren in erster Linie gegen mich und seltsamerweise nicht wirklich gegen Tanja und Katja gerichtet. Es war eine unglaublich aggressive Energie im Raum, auf die ich nicht vorbereitet war und mit der ich (so krank und fiebrig) spontan auch nicht adäquat dealen konnte.

Nach der Session kam dann Sonja Seirlehner auf mich zu und schenkte mir ob der Vorkommnisse der vergangenen 60 Minuten ein Skype Coaching. Ich war vollkommen geplättet. Wie lieb! Ich muss jedoch einräumen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits einiges in mir in Bewegung war, was den Blog und seine Monetarisierung angeht. Zum einen hatte ich nur wenige Wochen zuvor ein sehr erhellendes Gespräch mit einer Spa Managerin bezüglich meines Media Kits und meines Tagessatzes, zum anderen interviewte mich Jess von den Alabastermädchen nur kurz darauf für ihre Masterarbeit zum Thema „Monetarisierung von Blogs“.

Als ich beim SpaCamp war, war mir also bereits klar, dass meine Preise viel zu niedrig sind und dass ich mich augenscheinlich stark unter Wert verkaufe. Ich hatte die Preise im Media Kit zu diesem Zeitpunkt bereits einmalig zaghaft erhöht, was mir keinerlei Gegenwind seitens der Empfänger einbrachte. Im Gegenteil. Plötzlich kamen mehr Kooperationen zustande als je zuvor. Ich war verwirrt.

Denn ihr müsst wissen, dass ich so ein typischer Heilberufler bin. Verkaufen gehört nicht zu meinen Stärken. In meiner Schiffszeit hat sich der Verkaufstrainer die Zähne an mir ausgebissen. Wenn man als Physiotherapeutin einen Blog launcht, dann läuft das nämlich viel verpeilter und planloser ab als bei all‘ diesen Agenturmädchen, die Blogs launchen. Denn: Ich hatte weder ein Online-Netzwerk, noch die richtigen Kontakte, die meinen Blog in Pressemitteilungen oder im Print hätten unterbringen können. Ich hab‘ einfach drauflos geschrieben. Die Branche wurde dann irgendwann ganz von alleine auf mich aufmerksam. Ich habe zu keiner Zeit irgendwelche aggressiven Strategien verfolgt, die jedem Blogger als das Nonplusultra auf dem Weg zum Erfolg angepriesen werden. Will heissen: Es gab weder Gastposts, noch habe ich mich auf fremden Blogs totkommentiert. Warum trotzdem mittlerweile mehr als 13.000 Leute im Monat hier mitlesen, ist mir nach wie vor nicht so ganz klar. Es ist einfach passiert.

Dann kam irgendwann Hamburg mit dazu, später München und plötzlich gab es sogar Spa Checks im Ausland. Aber auch das alles ging keineswegs von mir aus. Denn mein ursprünglicher Plan war es ja, eine Übersicht an Empfehlungen für Berlin zusammenzustellen, an denen der Endverbraucher sich orientieren kann. Dass ich damit irgendwann auch Geld verdienen könnte, hatte ich nie so richtig auf dem Schirm. Der Spagat zwischen dem Blog als Herzensprojekt und meiner Arbeit im Treatmentraum, von der ich nach wie vor zum Großteil lebte, wurde immer komplizierter. Also habe ich die Arbeit im Treatmentraum soweit runtergeschraubt, dass ich gerade so alle Fixkosten decken konnte, um gleichzeitig maximal viel Zeit für den Blog zur Verfügung zu haben. Als ich dann aber das zweite Jahr in Folge nicht verreisen konnte, fing‘ ich an, dieses ganze Modell in Frage zu stellen. Will ich so leben? Wozu mache ich das alles? Ich bin keine 20 mehr, sondern 36 Jahre alt. Wie kann es sein, dass ich so viel arbeite wie nie zuvor in meinem Leben und trotzdem keine Kohle habe zum Verreisen?

Das war der Zeitpunkt, an dem ich den Tagessatz für mehrtägige Aufenthalte in Wellnesshotels einführte. Er war vom Betrag her ein Witz und verdient höchstwahrscheinlich nicht mal den Namen „Tagessatz“. Die Idee dahinter war, meinen Verdienstausfall in Berlin während dieser Tage zu kompensieren, um weiterhin irgendwie überleben zu können. Und mit eben diesem Tagessatz habe ich mir in der Vergangenheit so manche Beschimpfung eingehandelt. Das sei bei Journalisten nicht üblich. Vollkommen korrekt, aber ich bin ja auch keine Journalistin. Und es gibt verdammt nochmal auch kein Printformat, das mir während dieser mehrtägigen Aufenthalte ein Gehalt zahlt. Dass die Ergebnisse meiner Arbeit jedem zu 100% kostenfrei zur Verfügung stehen, interessiert dabei nie jemanden.

„Aber Fashion- und Lifestyleblogger nehmen diese Einladungen doch auch an!“ Ja klar, aber Fashion- und Lifestyleblogger verdienen währenddessen auch Kohle mit Affiliatelinks in Outfitposts. Da mein Blog nirgendwo so recht einsortiert werden konnte, eckte ich kontinuierlich an. Und da ich keine wirklichen Mitbewerber habe (Spaness und WellSpa-Portal monetarisieren sich anderweitig und haben den Fokus auch eher im Bereich Wellness & Reise), gab es auch nie jemanden, mit dem ich mich hätte austauschen können. Also habe ich mich regelmäßig beschimpfen lassen, versucht, mich nicht beirren zu lassen und stur weitergebloggt.

Die Ereignisse beim SpaCamp haben mich aber dennoch sehr wütend gemacht. Denn auch, wenn das nach außen hin vielleicht nicht so wirkt: In diesem Blog steckt unfassbar viel Arbeit. Wer sind diese Leute, die mir absprechen wollen, mit dieser Arbeit auch Geld verdienen zu dürfen? Das Coaching mit Sonja hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können.

Bereits im Vorfeld war ich gezwungen, mich mit einigen wichtigen Fragen auseinanderzusetzen, die ich Sonja schriftlich beantwortete. Ihr könnt euch den Bogen hier als PDF runterladen (edit: Link entfernt, weil Bogen verschwunden), indem ihr auf „Erstgespräch“ klickt. Als es dann soweit ist, sitze ich zappelnd vor meinem Computer. So aufgeregt bin ich selten. Kurzes Smalltalk-Intro, aber dann steigt Sonja gleich voll ein. Als was ich mich sehe. Welche Leistungen ich meinen Kunden anbiete. „Kunden?“ Uuuh. Befremdliches Wort in diesem Zusammenhang. Ich erzähle von der Blogintention als qualitätssicherndes Tool. Aber Sonja kitzelt nach und nach noch viel mehr aus mir raus, was ich wohl auch irgendwie leiste – auch wenn es mir bisher nie so richtig klar war. Krass.

Das Thema „Leistungen“ ist ein sehr wesentliches während dieser 60 Minuten. Denn das Wort „Leistungen“ sucht man in meinem Media Kit vergeblich. Aber mit Leistungen verdient man Geld. Damn! Das Wort „Kooperationspartner“ wird durch das Wort „Kunde“ ersetzt. Jeder, der auf mich zukommt, ist ein potentieller Kunde. Auch das Tantrastudio Lotus? Ja, auch das Tantrastudio Lotus. Ich beklage mich kurz über das Ausmaß der Tantra-Emails, aber Sonja liefert mir sofort die perfekte Antwort auf all‘ diese Emails, die jegliches Kommunikations-Ping Pong zukünftig im Keim ersticken dürfte. Mir schwirrt der Kopf.

Zurück zum Media Kit. Ich soll beschreiben, was ich anbiete und nicht, was ich nicht anbiete. Positive Sprache und so. Okay. Weniger rosa. Mimimi. Na gut. Neue Gliederung in Leistungen. Und der Begriff „Kooperation“ ist ab sofort tabu. Es würde jetzt zu weit führen, das gesamte Coaching hier aufzudröseln und höchstwahrscheinlich wäre es für jeden, der das alte Media Kit nicht kannte, auch eher lame, aber irgendwie bekommt Sonja es hin, einen Schalter in meinem Kopf umzulegen. Denn ich gehe anders aus diesem Coaching raus als ich reingegangen bin.

Das Fazit nach 60 Minuten Skypen: Ich bin Unternehmerin. Diesen Satz soll ich mir ausdrucken und an die Wand hängen. Ich soll mich mit meinen Rollen als Unternehmerin beschäftigen und Leistungspakete definieren. Was ich für mich selbst mittlerweile begriffen habe: Nur weil mein Herz in diesem Blog steckt und die Arbeit mir große Freude bereitet, heisst das nicht automatisch, dass sie nichts wert ist. Sie darf/muss also auch bezahlt werden. In den nächsten Monaten gilt es nun, mich preislich so zu positionieren, dass es sich für mich stimmig anfühlt.

Ich möchte Sonja auf diesem Weg nochmal von Herzen für dieses Coaching danken. Es hat einiges in mir bewegt. Danke an dieser Stelle aber auch an Irena und Jess, die ganze Vorarbeit geleistet haben. Meine Preise sind wahrscheinlich immer noch zu niedrig, aber ich arbeite dran. Und im November und im Dezember hätte ich theoretisch erstmalig nur vom Blog alleine leben können. Das ist für mich ein großes Ding und bestärkt mich sehr in dem, was ich tue.

Danke auch an alle, die bis hierher gelesen haben beziehungsweise an alle, die immer wieder auf dem Blog vorbeischauen und lesen, was ich schreibe. Ohne euch würde das alles ja nur wenig Sinn machen.

Ich gebe zu, das war jetzt ein eher sentimentaler Post, aber immerhin war es kein Jahresrückblick.

Habt einen wunderbaren Wochenstart!

Jenny