Massage im Ausland bzw. im Urlaub?

Massage im AuslandKürzlich erzählte mir eine Kollegin im Vorbeigehen von einer Massage während ihres Bali-Urlaubs. Sie wollte eine eher kräftige Massage und fragte aus diesem Grund nach einem männlichen Behandler. Daraufhin wurde sie von einem Jungen eingeölt (mehr Kind als Mann), der zudem auch noch maximal beschämt war, weil sie ihren BH ausgezogen hatte.

Nach dieser Story dachte ich mir: Höchste Zeit für einen Post zum Thema „Massage im Ausland“! Ich habe ja seit vielen Jahren mit internationalen Gästen im Spa zu tun und darüberhinaus auch schon viele asiatische Länder (wo das Massagethema höchstwahrscheinlich am relevantesten ist) bereist. Daher hoffe ich, dass meine Tipps bei Unsicherheiten den einen oder anderen Anhaltspunkt liefern.

Wir leben hier in Deutschland ja in einem Land, in dem Frauen und Männer weitestgehend gleichgestellt sind. Wir Frauen tragen im Sommer Hot Pants oder kurze Sommerkleider, suchen uns selbst den Mann aus, mit dem wir zusammen sein wollen und es stört sich auch niemand daran, wenn wir ihn nicht heiraten und nach ein paar Jahren wieder austauschen. Wir sitzen ohne Hintergedanken ganz selbstverständlich neben fremden Männern nackt in der Sauna und buchen im Anschluss eine Massage bei einem männlichen Behandler. Das ist in unserer Kultur alles ganz normal.

Wie befremdlich unsere Kultur aber für Menschen aus anderen Ländern ist, erlebe ich in meinem Spa Alltag relativ häufig. Ich hab‘ das ja in dem Post „Excuse me, there are naked people in the sauna! – Welcome to Germany“ vor einer ganzen Weile schon mal thematisiert. Nicht selten buchen arabische Männer mit glänzenden Augen „female only“ und auch, wenn man sich da als deutsche Frau erstmal wenig bei denkt, sollte man sich dennoch darüber im Klaren sein, dass es viele Länder gibt, in denen Frauen von Frauen und Männer von Männern massiert werden. Und zwar ausnahmslos.

Eine türkische Frau würde sich in einem Hamam in der Türkei never ever von einem Mann einseifen lassen. Das läuft traditionell nach Geschlechtern getrennt. Genauso würde auch eine indische Frau in Indien nie eine Massage von einem männlichen Behandler bekommen. Never(!) ever(!)

Als westliche Frau wird einem in vielen Ländern per se eine gewisse Offenheit und Freizügigkeit unterstellt. Als ich das erste Mal in Sri Lanka war und mir mitgeteilt wurde, dass gerade kein weibliches Behandler-Paar für die 4-händige Abhyanga verfügbar sei – ob denn ein männliches Behandler-Paar auch okay wäre, dachte ich mir in meiner Naivität so gar nichts dabei und willigte ein. Und die darauf folgende Behandlung hätte sich nicht schräger anfühlen können.

Seitdem handhabe ich es im Ausland genauso wie die Einheimischen und das würde ich jedem von euch ebenfalls an’s Herz legen, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Will heissen: Egal ob in Marokko, Indien oder Bali – Männlein zu Männlein und Weiblein zu Weiblein.

Viele westliche Männer lassen sich allerdings ungern von Männern anfassen. Wer als westlicher Mann in Indien bei der Buchung „female only“ mit ansagt, benimmt sich daneben. Ein weiteres Problem: Als Mann in beispielsweise Thailand ist es oft ein Ding der Unmöglichkeit, einen männlichen Behandler abzubekommen. In diesem Fall würde ich direkt bei der Buchung mit ansagen, dass nur eine Massage gewünscht ist und nicht mehr. Klare Ansagen im Vorfeld können hier helfen, unangenehme Situationen im Treatmentverlauf zu vermeiden.

Prinzipiell gilt: Wenn ihr euch unsicher seid, wie es in dem jeweiligen Land gehandhabt wird, würde ich immer eine(n) gleichgeschlechtliche(n) Behandler(-in) präferieren, dann sollte der Entspannung im Urlaub nichts mehr im Weg stehen.

Jenny