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Die Spa Branche hat ein Imageproblem. Warum man in Deutschland kaum ausgebildete Leute im Spa findet…

26/06/2015

Imageproblem Spa BrancheI LOVE SPA wird nächsten Monat 3 Jahre alt. Häufig werde ich gefragt, wie ich auf die Idee kam, über Spas zu bloggen. Grund hierfür war unter anderem die (meiner Meinung nach) nicht vorhandene Qualitätssicherung.

In der Spa Branche gibt es keine festen Regeln in Bezug auf die Qualitätssicherung der Behandler. Es gibt zwar zahlreiche Siegel, die sich um die Hardware kümmern, aber Treatments geben darf im Prinzip jeder. Ein Massage-Wochenendkurs reicht aus, um sich dann „Körpertherapeut“, „Body Worker“ oder „Masseur“ zu nennen. Ihr merkt schon – alles eher schwammig.

Es gibt in Deutschland 2 Berufsgruppen bzw. gesicherte Berufsbezeichnungen, die das Massieren so richtig erlernen. Das wäre zum einen „Masseur(in)/medizinische(r) Bademeister(in)“ und zum anderen „Physiotherapeut(in)“. Aber wie kommt es, dass man in einer Branche, in der so viel massiert wird, kaum Leute mit diesen Ausbildungen antrifft?

Da ich selbst Physiotherapeutin bin, kann ich mit Sicherheit behaupten, dass es nicht an der Bezahlung liegt, denn im medizinischen Bereich ist der Verdienst noch deutlich mieser als im Spa. Als ich mich vor 8 Jahren dazu entschieden hatte, der Sportorthopädie den Rücken zu kehren und Richtung Spa abzubiegen, wurde ich von meinen Physio-Kollegen belächelt. „Du willst allen Ernstes als Knetmäuschen arbeiten? Wozu zur Hölle hast Du Examen gemacht?“

Die Haltung ausgebildeter Leute einer Tätigkeit im Spa gegenüber ist fast durchweg ablehnend. Der Branche haftet ein Image von Streichelmassagen und belanglosem Ölgeglitsche an. Eine niedere Tätigkeit, zu der man sich mit physiotherapeutischem Staatsexamen nicht herablassen sollte.

Dabei sind es doch unter’m Strich exakt die gleichen Leute, die einem letztenendes eingebucht werden. Denn es ist ja nicht unbedingt so, dass Menschen, die Spas besuchen frei sind von körperlichen Gebrechen. Wer in München lebt und dort unter der Woche 2 mal zur Physiotherapie geht, besucht unter Umständen am Wochenende Berlin und landet bei mir im Treatmentraum. Gleicher Mensch, gleiche Symptomatik, aber ein riesengroßer Unterschied: Ich habe Zeit. Meistens 60, oft aber sogar 90 Minuten. Außerdem arbeite ich in einem abgetrennten Raum, der angenehm temperiert ist und in dem es gut duftet. Und ich muss weder Rezeptgebühr eintreiben, noch schlechte Pelosepackungen auflegen. Klingt doch eigentlich ganz reizvoll, oder nicht?

Dass es an ausgebildeten und guten Behandlern mangelt – und damit meine ich nicht nur Masseure, sondern auch Kosmetiker(-innen) – ist ein Problem, das sich deutschlandweit durch alle Spas zieht. Ein Gesetz, das Physios und Masseure unabhängiger arbeiten liesse und sie von der Abhängigkeit des Arztes entbindet wäre sicherlich ein ganz okayer Anfang. Denn Physiotherapeuten gehören zum „medizinischen Hilfspersonal“ und dürfen in Deutschland offiziell nur auf Anweisung des Arztes therapeutisch tätig werden. Und die Grenzen von Spa Treatments zu Medical Treatments sind bisweilen sehr fliessend. Zum anderen wäre es sicherlich auch hilfreich, wenn man das Tätigkeitsfeld „Spa Therapist“ innerhalb der Ausbildung von Physios und Masseuren wenigstens mal kurz streifen würde. In meiner Ausbildung war das nie ein Thema…

Interessanterweise hat Österreich diese Probleme nicht. Ich war ja kürzlich im Alpenresort Schwarz und habe mich dort mit meinem Behandler über diese Thematik unterhalten. Österreich lässt Quereinsteiger ohne Ausbildung nicht an den Gast. Mein Behandler erzählte mir außerdem, dass Jobs in Spas unter ausgebildeten Leuten in Österreich sehr gefragt sind. Angeblich arbeiten hier die besten Leute in den Hotels.

Und nun? Naja, ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, Schulen anzuschreiben, die Masseure und Physios ausbilden, und denen 2-stündige Vorträge anzubieten, in denen ich den Auszubildenen das Berufsbild „Spa Therapist“ näher bringe. Ich bezweifle allerdings, dass die Schulen (aufgrund des miesen Images) für sowas offen sind. Was denkt ihr? Das ist ein Thema, zu dem mich Meinungen mal ganz besonders interessieren würden.

Achso, und ich möchte abschliessend nochmal betonen, dass ich mit diesem Post nicht allen Quereinsteigern ohne fundierte Grundausbildung absprechen möchte, dass sie einen guten Job machen. Natürlich gibt es auch Quereinsteiger, die es drauf haben. Aber es gibt eben leider auch viele, die den Unterschied zwischen Kreuzbein und Kreuzband nicht kennen. Und ich denke, wir sind uns alle einig, wenn ich sage: „Es wäre ganz cool, von so jemandem nicht angefasst zu werden.“

Jenny

10 Kommentare

Kommentar von Philip am 26/06/2015 bei 15:25   

Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich selbst habe die Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister sowie zum Physiotherapeuten abgeschlossen und bin dann auch in den Wellnesssektor gewechselt und finde Qualitätssicherung in Spa's vorallem was die Treatments angeht unglaublich wichtig. Als Gast möchte ich nicht 90-120 Euro für eine Massage ausgeben um dann "ein bisschen angefasst" zu werden, nein ich erwarte da mindestens eine Massage der Qualität wie ich es gelernt habe. Nun haben die meisten Gäste nicht die Erfahrung, aber hierfür sollte ein*e qualifizierte*r Spa Manager*in einspringen und nicht jeden Bodyworker blind akzeptieren. Wie Du schon so schön geschrieben hast, im Spa Bereich bekommen die Gäste das, was sie in einer kalten medizinischen Physiotherapie nicht bekommen, ob es nun Zeit oder das unterstützende Ansprechen aller Sinne ist, wenn hier noch eine qualifizierte und (wirklich) hochwertige Behandlung erfolgt, kommen wir vielleicht auch bald an den Punkt, dass unsere Mitmenschen aktiv werden und noch bevor sie Probleme mit ihrem Körper bekommen, sich eine Massage "gönnen" und so präventiv körperlichem Leiden entgegenwirken.

Kommentar von I LOVE SPA am 26/06/2015 bei 17:36   

Danke Philip! Mir war vor der Veröffentlichung dieses Posts nicht klar, wie heikel dieses Thema ist. Ich möchte niemanden angreifen, der diesen Job macht, ohne es gelernt zu haben. Trotzdem muss man sich doch aber wünschen dürfen, dass Menschen die einen anfassen, ein gewisses anatomisches und physiologisches Grundwissen mitbringen!? Und das hat man nun mal nicht nach einem Wochenendkurs :/

Kommentar von Philip am 26/06/2015 bei 18:59   

Ich glaube dir, dass das ein schwieriges Thema ist, jedoch jeder der sich nach einem Wochenendkurs mit 3 bis 3 1/2 Jahr Ausbildung vergleicht sollte sich eher selbst fragen, ob er sich nicht ein wenig überschätzt. Ich finde deinen Artikel großartig, ob heikel oder nicht, das Thema gehört angesprochen!

Kommentar von I LOVE SPA am 26/06/2015 bei 21:14   

Danke Dir!

Kommentar von Katrin Schumann am 27/06/2015 bei 05:54   

Moin Moin, auch wenn ich zu den benannten Quereinsteigern gehöre (ich fühle mich keineswegs angegriffen :-) , finde ich einen Qualitätsstandard oder zumindest gute Qualität einer Behandlung sehr wichtig. Ich bin mir bewusst, dass meine Ausbildung zur Wellness- und Massagetherapeutin nicht mit der einer Physiotherapeutin oder eines mehrjährig ausgebildeten Masseurs vergleichbar sind. Darauf weise ich meine Kunden hin und lasse die Finger von medizinischen Beschwerden bzw. biete dann in solchen Fällen z.B. lieber Reiki o.ä. an. Gerade deshalb habe ich mich für eine Basisausbildung von 10 Tagen entschieden, um zumindest ein Grundverständnis der Anatomie zu bekommen und auch zu erfahren, was ich darf und was ich tunlichst lassen sollte. Hierbei war ein gelernter Physiotherapeut als Ausbilder mit breitgefächertem Repertoire gerade für den Wellnessbereich für mich perfekt. Besonders wichtig war für mich zudem auch die Korrektur der Körperhaltung des Behandlers, weil ich mir bei dieser Arbeit nicht selber dauerhaft Schaden und Schmerzen zufügen und ggf. den Spaß verlieren möchte. Nun biete ich meine Massagen & Co mobil an und arbeite nicht in einem Spa, dementsprechend muss ich meine Arbeit nicht zwangsläufig mit anderen vergleichen. Ich liebe diese Arbeit, sie ist mein Herzblut und ich arbeite mit Leidenschaft und möchte die Kunden dort abholen, wo eine klassische medizinische Massage an ihre Grenzen stößt in Bezug auf Zeit und Wellnessfaktor. Jedoch bin ich froh, nicht davon leben zu müssen (ich habe einen anderen Vollzeitjob). Ich fürchte, mir würde dann die Freude an dem, was ich tue, verloren gehen, weil ich dann nicht mehr genug Ruhe und Zeit mitbringen könnte, straffer planen und aggressiver Werbung machen müsste. Die am meisten gebuchte Rückenmassage würde mich bei täglicher „Fließbandarbeit“ auch sehr schnell langweilen und unzufrieden machen. Wenn ich persönlich in einem Spa eine Menge Geld für eine Wellnessbehandlung investiere, dann erwarte ich auch eine gute und zufriedenstellende Anwendung. Würde ich mich für ein Spa als „Therapeut“ bewerben, würde ich in jedem Fall eine Probemassage anbieten bzw. erwarten, dass man meine Arbeit auf den Prüfstand stellt und schaut, ob sie zum Image des Hauses passt oder den Anforderungen entspricht. Ich bin immer gern bereit neue Dinge zu lernen, um meine Arbeit noch besser zu machen und auch für mich interessanter. Meine Erfahrungen sind auch sehr unterschiedlich. Nicht alle Anwender mit einer medizinisch fundierten Ausbildung sind bereit sich auf den Wellnessfaktor einzulassen und umgekehrt haben Absolventen der Wellness- und Massagetherapie unterschiedliche Intentionen diese Ausbildung zumachen. Wer erwartet schnell damit Geld verdienen zu können, aber nur halbe Sachen macht, an den möchte ich als Kunde selbst nicht geraten! Manchmal wünschte ich mir, mal eine Massage von mir selbst zu bekommen, zum einen, um realistisch die Qualität und zum anderen mal das genießen zu können, wovon meine Kunden so begeistert sind. Schöne Grüße aus Kiel

Kommentar von I LOVE SPA am 27/06/2015 bei 08:56   

Hey Katrin, danke für Dein ausführliches Feedback! Ich bin froh, dass Du dich nicht angegriffen fühlst, denn das war auch keineswegs meine Intention. Ich habe viele Quereinsteiger-Kollegen, die ich sehr schätze und auch hier auf dem Blog empfehle ich regelmäßig Quereinsteiger, die keine der beiden im Post genannten Grundausbildungen haben. Es ging mir schwerpunktmäßig um die Absurdität, dass man die Leute, die das Massieren in Ihrer Ausbildung erlernen, kaum findet in einer Branche, in der in erster Linie massiert wird. Nichts liegt mir ferner als Quereinsteiger zu bashen :)

Kommentar von Monika am 25/10/2016 bei 17:25   

Liebe Jenny, der Post ist zwar schon vom letzten Jahr, hat aber nichts an Aktualität verloren. Soweit ich weiß, gibt es in lovely Austria einen 3stufigen Ausbildungsweg Massage. Stufe 1 heißt, man darf in Wellnesshotels/SPA massieren oder sich wellnessmäßig selbständig machen. Stufe 2 heißt, man darf unter Anleitung eines Artzes /Physio Patienten behandeln. Stufe 3 heißt, man darf ganz selbständig behandeln. Dieses System wäre, wenn meine Info stimmt, ein wunderbares, welches man auch in D einführen sollte. Staatlich gesichert, damit alle die selbe Grundlage haben. Und dann aber bitte von der Umsatzsteuer befreit, denn das ist hier bei uns die allergrößte Ungerechtigkeit. HPs oder Physios (die ich in meinen Wellnessmassageausbildungen getroffen habe) sind von der USt. befreit, während ich 19% ans FA abgeben darf. Auch wenn meine achtsam ausgeführten Massagen womöglich mehr "Heilwirkung" erzeugen, als ein 20minütiges liebloses Geschrubbe in der Physiopraxis. Entschuldigung an alle Physios, aber ich habe schon viele erlebt, nur achtsam war noch keiner von Euch. Aber nix für unguat, wie man in Bayern sagt :-))

Kommentar von I LOVE SPA am 25/10/2016 bei 19:16   

Danke für Deinen Kommentar, der so leider aber nicht ganz korrekt ist. Auch Physios müssen Umsatzsteuer zahlen, wenn sie im Spa arbeiten, denn als medizinisches Hilfspersonal dürfen sie nur auf Anweisung des Arztes medizinisch tätig werden. Somit fallen sie behandlungstechnisch nicht unter diese Heilbehandlungsregelung, von der Heilpraktiker ungerechterweise (da bin ich ganz bei Dir) stark profitieren ;(

Kommentar von Monika am 18/06/2017 bei 19:30   

Hallo Jenny, ist schon eine Weile her, aber weil Dein Post in FB wieder auftaucht, sehe ich jetzt auch gerade Deinen Kommentar von letztem Jahr. Ich meinte dass entweder alle Massagen mit 19% (oder 7%) zu versteuern sind, oder keine. Egals ob Wellness oder Physio. Bei uns gibt es diese merkwürdige künstliche Trennung zwischen medizinischen Massagen und Wellnessmassagen. Und immer, wenn der Gesetzgeber künstliche Trennungen einführt, öffnet er damit dem Betrug Tür und Tor. Oder warum trifft man bei der Lomi Lomi Ausbildung so viele HPs und Physios? Tata, tataa, weil HP und Physio ein Heilberuf ist, ein sogenannter Wellnessmasseur aber wohl nur gut tut. Ich stelle die steile These auf, dass eine achtsame und handwerklich gut ausgeführte Wellnessmassage in schönem Ambiente mehr "Heilung" bewirkt, als lustloses Geschrubbel auf Rezept. So. Ganz nebenbei bin ich voll bei Dir, dass sich ausbildungstechnisch unbedingt etwas ändern muss. Ich finde es ein Unding, dass es Massageausbildungen fürs Wochenende gibt. Aber wenn man da etwas ändern will, geht nur über eine starke Lobby und die Politik. Vielleicht machen wir uns mal stark und kontaktieren das Gesundheitsministerium ?? Liebe Grüße aus Bayern :-))

Kommentar von I LOVE SPA am 19/06/2017 bei 16:34   

Ich bin mir ja nicht sicher, ob das Gesundheitsministerium sich da zuständig fühlen würde ;) Ich glaube, dieses Imageproblem betrifft die gesamte Wellnessbranche. Wellness assoziieren noch viel zu viele mit Gelnägeln und soften Einölungen und viel zu wenige mit handfesten Treatments, die auch in die Tiefe gehen (sowohl physisch, als auch psychisch). Aber ich versteh' nicht, warum man bei Lomi Ausbildungen vermehrt auf Physios und HPs treffen soll!? Physios haben im Wellnessbereich ja nicht mehr Rechte als Wellnessmasseure oder ungelerntes Personal. Ich hab' den Satz jetzt 5 Mal gelesen, aber ich check' nicht, worauf Du hinaus willst ?

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