Die Spa Branche hat ein Imageproblem. Warum man in Deutschland kaum ausgebildete Leute im Spa findet…

Imageproblem Spa BrancheI LOVE SPA wird nächsten Monat 3 Jahre alt. Häufig werde ich gefragt, wie ich auf die Idee kam, über Spas zu bloggen. Grund hierfür war unter anderem die (meiner Meinung nach) nicht vorhandene Qualitätssicherung.

In der Spa Branche gibt es keine festen Regeln in Bezug auf die Qualitätssicherung der Behandler. Es gibt zwar zahlreiche Siegel, die sich um die Hardware kümmern, aber Treatments geben darf im Prinzip jeder. Ein Massage-Wochenendkurs reicht aus, um sich dann „Körpertherapeut“, „Body Worker“ oder „Masseur“ zu nennen. Ihr merkt schon – alles eher schwammig.

Es gibt in Deutschland 2 Berufsgruppen bzw. gesicherte Berufsbezeichnungen, die das Massieren so richtig erlernen. Das wäre zum einen „Masseur(in)/medizinische(r) Bademeister(in)“ und zum anderen „Physiotherapeut(in)“. Aber wie kommt es, dass man in einer Branche, in der so viel massiert wird, kaum Leute mit diesen Ausbildungen antrifft?

Da ich selbst Physiotherapeutin bin, kann ich mit Sicherheit behaupten, dass es nicht an der Bezahlung liegt, denn im medizinischen Bereich ist der Verdienst noch deutlich mieser als im Spa. Als ich mich vor 8 Jahren dazu entschieden hatte, der Sportorthopädie den Rücken zu kehren und Richtung Spa abzubiegen, wurde ich von meinen Physio-Kollegen belächelt. „Du willst allen Ernstes als Knetmäuschen arbeiten? Wozu zur Hölle hast Du Examen gemacht?“

Die Haltung ausgebildeter Leute einer Tätigkeit im Spa gegenüber ist fast durchweg ablehnend. Der Branche haftet ein Image von Streichelmassagen und belanglosem Ölgeglitsche an. Eine niedere Tätigkeit, zu der man sich mit physiotherapeutischem Staatsexamen nicht herablassen sollte.

Dabei sind es doch unter’m Strich exakt die gleichen Leute, die einem letztenendes eingebucht werden. Denn es ist ja nicht unbedingt so, dass Menschen, die Spas besuchen frei sind von körperlichen Gebrechen. Wer in München lebt und dort unter der Woche 2 mal zur Physiotherapie geht, besucht unter Umständen am Wochenende Berlin und landet bei mir im Treatmentraum. Gleicher Mensch, gleiche Symptomatik, aber ein riesengroßer Unterschied: Ich habe Zeit. Meistens 60, oft aber sogar 90 Minuten. Außerdem arbeite ich in einem abgetrennten Raum, der angenehm temperiert ist und in dem es gut duftet. Und ich muss weder Rezeptgebühr eintreiben, noch schlechte Pelosepackungen auflegen. Klingt doch eigentlich ganz reizvoll, oder nicht?

Dass es an ausgebildeten und guten Behandlern mangelt – und damit meine ich nicht nur Masseure, sondern auch Kosmetiker(-innen) – ist ein Problem, das sich deutschlandweit durch alle Spas zieht. Ein Gesetz, das Physios und Masseure unabhängiger arbeiten liesse und sie von der Abhängigkeit des Arztes entbindet wäre sicherlich ein ganz okayer Anfang. Denn Physiotherapeuten gehören zum „medizinischen Hilfspersonal“ und dürfen in Deutschland offiziell nur auf Anweisung des Arztes therapeutisch tätig werden. Und die Grenzen von Spa Treatments zu Medical Treatments sind bisweilen sehr fliessend. Zum anderen wäre es sicherlich auch hilfreich, wenn man das Tätigkeitsfeld „Spa Therapist“ innerhalb der Ausbildung von Physios und Masseuren wenigstens mal kurz streifen würde. In meiner Ausbildung war das nie ein Thema…

Interessanterweise hat Österreich diese Probleme nicht. Ich war ja kürzlich im Alpenresort Schwarz und habe mich dort mit meinem Behandler über diese Thematik unterhalten. Österreich lässt Quereinsteiger ohne Ausbildung nicht an den Gast. Mein Behandler erzählte mir außerdem, dass Jobs in Spas unter ausgebildeten Leuten in Österreich sehr gefragt sind. Angeblich arbeiten hier die besten Leute in den Hotels.

Und nun? Naja, ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, Schulen anzuschreiben, die Masseure und Physios ausbilden, und denen 2-stündige Vorträge anzubieten, in denen ich den Auszubildenen das Berufsbild „Spa Therapist“ näher bringe. Ich bezweifle allerdings, dass die Schulen (aufgrund des miesen Images) für sowas offen sind. Was denkt ihr? Das ist ein Thema, zu dem mich Meinungen mal ganz besonders interessieren würden.

Achso, und ich möchte abschliessend nochmal betonen, dass ich mit diesem Post nicht allen Quereinsteigern ohne fundierte Grundausbildung absprechen möchte, dass sie einen guten Job machen. Natürlich gibt es auch Quereinsteiger, die es drauf haben. Aber es gibt eben leider auch viele, die den Unterschied zwischen Kreuzbein und Kreuzband nicht kennen. Und ich denke, wir sind uns alle einig, wenn ich sage: „Es wäre ganz cool, von so jemandem nicht angefasst zu werden.“

Jenny