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Interview mit Herrn Pawellek von der Berliner Polizei zum Thema „Sexuelle Grenzüberschreitungen im Spa“

17/02/2015

Interview mit der Polizei zum Thema Sexuelle Belästigung bei der MassageVor genau einer Woche habe ich hier auf dem Blog über eine Grenzüberschreitung geschrieben, die mir selbst kürzlich widerfahren ist. Dieser Post hat ganz schön was losgetreten. Zum einen sind die Besucherzahlen an diesem Tag explodiert und zum anderen kamen immer mehr Menschen aus meinem privaten Umfeld auf mich zu und sagten „Ja, ist mir auch schon passiert.“ Ich kann euch nicht sagen, wie betroffen mich das alles macht. Es scheint ganz so, als seien diese Grenzüberschreitungen allgegenwärtig.

Daraufhin habe ich am Wochenende eine eigene Subpage zu diesem Thema erstellt und Herrn Pawellek zum Gespräch getroffen. Herr Pawellek ist EKHK (=erster Kriminalhauptkomissar) der Sexualdelikte in Berlin und hat sich geduldig meinen Fragen gestellt. Ich möchte das Interview hier heute veröffentlichen und werde es auch in die Subpage mit einbinden.

Herr Pawellek, kommen Sie hier häufiger mit der Thematik „Sexuelle Übergriffigkeiten während einer Massage“ in Kontakt?

Ja.

Kann man da irgendwas über die Dunkelziffer sagen? Was denken Sie, wie oft sowas passiert und wie viele Betroffene im Anschluss nichts weiter unternehmen? Also so prozentual?

Nein, zur Dunkelziffer kann man nichts sagen. Daher heisst es ja Dunkelziffer. Aber vom Gefühl her ist sie sehr, sehr hoch.

Ich weiss nicht, wie viele Treatments ich selbst schon gegeben und bekommen habe, aber wenn selbst ich (die augenscheinlich so ziemlich rund um die Uhr mit Spas und Massagen zu tun hat), nicht in der Lage ist, bei so einer Grenzüberschreitung die Behandlung abzubrechen – wie soll das dann jemand schaffen, der nur 2mal im Jahr zur Massage geht? Wie gehen Betroffene in der Regel mit sowas um?

Sehr viele zeigen Ihre Reaktion. Sie werden von der Situation überrascht, machen sich im Anschluss Vorwürfe und fühlen sich hilflos, weil sie nicht in der Lage waren, rational zu handeln.

Das stimmt. Ich habe mir im Anschluss große Vorwürfe gemacht, dass ich es nicht geschafft habe, die Behandlung abzubrechen. Ich habe mich gefragt, ob diese Tatsache als Zustimmung interpretiert werden kann und ob ich überhaupt das Recht habe, diese Grenzüberschreitung im Nachhinein dem Management zu melden. Der Klassiker, oder?

Ja. Wichtig ist hierbei der Begriff „Grenzüberschreitung. Häufig stellen diese Sachverhalte nämlich noch keinen Straftatbestand dar. Aber jeder hat das Recht, zu sagen „Bis hierhin und nicht weiter.“

Wie reagiert ihrer Erfahrung nach das Management auf solche Übergriffigkeiten? Wird sowas tendenziell eher ernstgenommen oder stellen die sich hinter den Behandler?

Das kann ich so nicht beantworten, weil es sich bei den meisten Angezeigten um Selbständige handelt. Anzeigen aus Kliniken oder Hotels gibt es so gut wie nie. Sollte das jedoch der Fall sein, werden solche Vorfälle doch ernst genommen und entsprechend darauf reagiert.

Sie haben den Post ja gelesen. Wie genau nennt man das, was mir passiert ist? Nötigung? Beleidigung? Belästigung? Können Sie diese 3 Begriffe mal gegeneinander abgrenzen?

Belästigung ist kein strafrechtlicher Begriff. Bei den Fällen, die hier bei uns landen, liegt ein Straftatbestand vor. Es passiert schon, dass der Behandler an den Geschlechtsteilen manipuliert, im Extremfall einen Finger einführt, oder dass er sein erigiertes Glied in die Hand der Patientin legt.

Eine Beleidigung liegt nicht vor bei Berührungen, die im Rahmen der Behandlung erfolgen dürfen. Bei Gewaltanwendung spricht man von sexueller Nötigung. Das ist zum Beispiel schon der Fall, wenn durch den Behandler gegen Muskelwiderstand die Beine gespreizt werden. Aber auch das Ausnutzen einer hilflosen Lage kann schon Gewalt sein. Zum Beispiel, wenn die Tür abgeschlossen und der Schlüssel versteckt wird.

In Ihrem konkreten Fall liegt kein Straftatbestand vor, weil es ja – wenn ich das richtig verstanden habe – keine Berührungen gab, die nicht zur Behandlung gehörten.

Macht es immer Sinn, den Behandler anzuzeigen? Höchstwahrscheinlich wird ja kein Behandler so ein übergriffiges Fehlverhalten im Nachhinein einräumen. Steht dann nicht einfach Aussage gegen Aussage, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen nach sich zieht?

Ein bisschen was Substantielles muss schon da sein. Bei Verdacht auf eine Straftat würde ich immer zur Anzeige raten, zum Beispiel wenn Genitalien berührt wurden. Ganz unabhängig davon ist es aber auch sehr wichtig, nach der Behandlung die Verantwortlichen über die Grenzüberschreitung zu informieren.

Wie genau läuft so eine Anzeige dann ab? Kommen da unter Umständen Kosten auf die Person zu, die Anzeige erstattet? Was passiert im Idealfall und was im Worst Case?

Nein, Kosten kommen bei einer Anzeige nicht auf die Person zu, die die Anzeige erstattet. Uns liegen hier aber keine Kenntnisse darüber vor, was letztenendes dabei rauskommt. Nicht ganz unwahrscheinlich wäre eine Geldstrafe. Der Worst Case wäre, dass das Verfahren eingestellt wird.

Gibt es auch Männer, die betroffen sind und herkommen, um übergriffige Behandler anzuzeigen oder handelt es sich dabei in erster Linie um Frauen?

So ad hoc würde ich sagen, dass nur Frauen herkommen.

Macht es Sinn, sich parallel zu einer Anzeige noch psychologische Unterstützung zu holen? Gibt es Beratungsstellen, die auf sowas spezialisiert sind?

Bei den Grenzüberschreitungen, über die wir hier reden, ist das meistens nicht der Fall. Wir händigen aber dennoch Infomaterial aus und stellen einen entsprechenden Kontakt her, wenn es erforderlich erscheint.

In der Spa Branche gibt es ja keinerlei Qualitätssicherung. Jeder darf massieren, ganz unabhängig von beruflichen Qualifikationen. Denken Sie, dass es seltener zu Übergriffigkeiten kommen würde, wenn nur ausgebildetes Personal massiert?

Es würde höchstwahrscheinlich dadurch nicht seltener zu Grenzüberschreitungen kommen, aber die Restriktion wäre leichter. Wenn man eine staatliche Approbation entziehen kann, ist es sehr viel leichter, solche Grenzüberschreitungen zu sanktionieren. Dass eine Zertifizierung, die Einfluss hat, zwar keinen Riegel vorschieben würde, aber letztenendes weniger Übergriffe zulassen würde, glaube ich schon.

Gibt es noch irgendwas, was Sie Betroffenen mit auf den Weg geben möchten?

Immer öffentlich machen! Egal ob es sich um einen Straftatbestand handelt oder nicht. Nur so haben die Verantwortlichen die Möglichkeit, Konsequenzen zu ziehen.

Herzlichen Dank an Herrn Pawellek und ein fettes Danke an die Berliner Polizei, die umgehend auf meine Facebook Nachricht reagiert und den Interviewtermin so zeitnah möglich gemacht hat.

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