You were just flattred – Monetarisierung und Glaubwürdigkeit von Blogs

Monetarisierung BlogHabt ihr euch schon mal gefragt, was es mit diesem grün/orangefarbenen Button unter den Posts auf sich hat? Ich habe mich bereits vor über einem halben Jahr dazu entschieden, euch die Möglichkeit zu geben, Posts zu flattrn. Anfangs ist (erwartungsgemäß) nicht wirklich was passiert. In letzter Zeit bekomme ich aber immer häufiger mal eine Email, in der ich darüber informiert werde, dass ein Post geflattrt wurde.

Mit der Monetarisierung von Blogs ist das ja so eine Sache. Wenn ein Blogger sich Advertorials oder Affiliate Links bedient, wird gerne mal eine Augenbraue hochgezogen. Blogs würden an Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit verlieren, wenn man sie monetarisiert. Das hört man immer wieder. Online-Content in Form von Blogs wird im Gegensatz zu Print ganz selbstverständlich gratis konsumiert. Dabei steckt da häufig nicht wirklich weniger Arbeit dahinter. Für eine Zeitschrift zahlt man ein paar Euro. Und trotzdem regt sich niemand auf, wenn auf jeder zweiten Seite eine Werbeanzeige prangt. Das soll jetzt hier kein Print-Gebashe werden. Aber die Frage nach dieser Doppelmoral muss erlaubt sein.

Die häufigste Frage, die mir immer wieder gestellt wird, ist „Wie verdienst Du denn damit Geld? Und kann man davon leben?“

Gleich vorweg: Nein, ich kann von I LOVE SPA nicht leben. Aber ich möchte diesen Post mal nutzen, um ein paar Worte darüber zu verlieren, wie tricky es ist, als Blogger ernstgenommen zu werden, regelmäßig ordentlichen Content zu liefern und trotzdem im nächsten Monat noch das Geld für die Fixkosten zusammen zu bekommen.

I LOVE SPA ist mittlerweile ein Full Time Job. Und da es in dieser Nische nichts wirklich Vergleichbares gibt, erreichen mich täglich sehr viele Kooperationsanfragen. Ich beantworte etwa 60-90min Emails pro Tag und blocke alles ab, was mit Tantra, Nageldesign und Permanent Make Up zu tun hat. Genauso wie alles, was euch verspricht, euch dünner, straffer, schöner und jünger zu machen. Diese Anfragen machen etwa 80% aus. Übrig bleiben dann noch etwa 20% Emails, die potentiell interessant sind und aus lediglich 5% davon entsteht letztenendes eine Kooperation mit Mehrwert für alle Beteiligten.

Ich stelle mir bei jeder Kooperation, die ich eingehe, 2 Fragen: „Würde ich auch drüber schreiben, wenn ich kein Geld dafür bekommen würde?“ und „Würde ich das meiner Mama oder meiner Freundin empfehlen?“

Wenn ich beide Fragen mit „Ja“ beantworten kann, gehe ich die Kooperation ein. Das Ergebnis ist dann meistens ein Advertorial oder ein Werbebanner. Wie ihr euch nun sicherlich vorstellen könnt, reichen 5% der Anfragen nicht aus zum Überleben. Das ist zwar ein bisschen ungünstig, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei mittlerweile um einen Full Time Job handelt, aber für mich persönlich auch kein Weltuntergang, weil es ein Herzensprojekt ist. Dumm ist es nur, wenn dann noch Kritik laut wird, man sei käuflich oder unglaubwürdig, weil man bezahlte Kooperationen eingeht. Ein ganz allgemeiner Vorwurf an so ziemlich alle Blogger.

Und nun kommt Flattr mit in’s Spiel, denn theoretisch wäre es überhaupt nicht nötig, Werbebanner zu schalten oder Advertorials zu veröffentlichen. Dazu müssten Leser von Blogs den gratis zur Verfügung gestellten Content bei Gefallen lediglich „flattrn“. Konkret sieht das so aus, dass man sich bei Flattr anmeldet und einen bestimmten Betrag pro Monat festlegt. Meinetwegen 5€. Und dann flattrt man, wann immer einem Content besonders gut gefällt. Am Ende des Monats werden die 5€ dann durch die Anzahl der Flattrs geteilt und dem Creator gutgeschrieben.

I LOVE SPA hat aktuell +/- 10.000 eindeutige Besucher pro Monat. Viele landen auf dem Blog, weil sie zum Beispiel nicht wissen, was eine Schwedische Massage ist. Oder sie lesen Treatmentbeschreibungen, weil sie nicht wissen, was am besten zu ihnen passt. Oder sie benutzen das „Find Your Spa“-Tool.

Wenn nun nur ein Bruchteil der Besucher eines gut besuchten Blogs den gratis zur Verfügung gestellten Content mit einem Flattr von ein paar Cent „wertschätzen“ würde, wäre es sehr gut möglich, dass diese Besucher sich sehr bald nicht mehr über gesponserte Posts und Werbebanner aufregen müssten.

Ich finde, Flattr ist eine tolle Sache. Gerade für Blogger. Wenn ich mich entscheiden dürfte, würde ich Flattr allen anderen Monetarisierungsmöglichkeiten vorziehen. Ein Blogger, der sich nur über Flattr zu monetarisieren imstande wäre, würde auf jeden Fall deutlich weniger Zeit mit anstrengendem Kommunikations-Ping Pong verschleudern und könnte sich auf das konzentrieren, was einen guten Blog ausmacht: Hochwertigen und einzigartigen Content.

Fazit: Ich denke, man muss sich als Leser irgendwie entscheiden. Wer rummeckert, wenn Blogger die klassischen Möglichkeiten der Monetarisierung nutzen, um auch im nächsten Monat noch ihre Krankenversicherung zahlen zu können, sollte prinzipiell auch bereit sein, zu flattrn. Und wer nicht bereit ist, für Content zu zahlen, sollte sich über eben diese Formen der Monetarisierung nicht länger echauffieren.

Phew. Das waren jetzt gleich zwei eher kontroverse Posts hintereinander. Aber don’t panic! Morgen geht’s wieder ganz entspannt weiter mit einem Post über Urban Spa. Toll für alle Hamburger. Und die Münchner dürfen sich schonmal auf einen Shopping-Tipp am Freitag freuen.

Also, stay tuned!

Jenny