Hotel Neptun & Spa Warnemünde

Hotel Neptun & Spa WarnemündeDer heutige Post ist eine kleine Challenge, denn ich bin mir nicht sicher, ob die Zielgruppe des Spas, um das es hier heute gehen soll, mit dem Blog was anfangen kann. Genaugenommen bin ich mir gar nicht mal sicher, ob die Zielgruppe des Spas, um das es hier heute gehen soll, überhaupt weiss, was ein Blog ist. Aber egal. Denn ich habe mich nie straffer und attraktiver gefühlt als im Neptun Spa am vergangenen Freitag. Und so ein kleiner Selbstbewusstseinsboost ist ja auch nicht zu verachten.

Relativ spontan (also wirklich nur ein paar Tage vorher) entscheidet sich Ulrike, sich mit mir zusammen in den Thalasso-Wahnsinn an der Ostsee zu stürzen. Und ich bin ganz schön aus dem Häuschen. Wir kennen uns vom Schiff. Es ist also schon viele Jahre her, dass wir uns zuletzt gesehen haben, aber Warnemünde war lange Zeit unser Basishafen. Heute ist also ganz schön viel Sentimentalität mit am Start.

Ich komme ziemlich früh und mit sehr kleinen Augen, dafür aber umso größeren Augenrändern in Warnemünde an und Ulrike holt mich vom Bus ab. Ja, Bus. Dank Bahnstreik. Aber reiten wir nicht länger drauf rum. Große Freude, weil Wiedersehen und so. Der Plan: Strand, Essen, Neptun Spa.

Nachdem wir also eine Weile bei allerbestem November-Wetterchen am Strand lang gelaufen sind und eine Kleinigkeit gegessen haben, geht’s los. Von außen ist das Hotel ja ziemlich hässlich, aber da es sich beim Hotel Neptun um ein 5*-Haus handelt, schreckt mich das nicht weiter ab. Ulrike wohnt im Hotel und schlüpft daher auf ihrem Zimmer in den Bademantel. Ich hingegen checke an der Spa Rezeption ein und bekomme Bademantel und Handtücher. Man hat mir jetzt keine Frotteeschlappen ausgehändigt. Ob das Zufall war oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Bringt also besser mal Badeschlappen mit!

Als ich die Umkleide betrete, frage ich mich, ob meine Ankunft zufällig grad mit einem Wassergymnastiktermin für Senioren kollidiert. Während ich mich umziehe, bemerke ich very bad vibes unter den älteren Ladies. Ich finde es krass, dass hier jeder jeden zu kennen scheint und kombiniere, dass es sich um Mitglieder handeln muss, deren Mitgliedsbeitrag sich wohl irgendwie erhöht hat. Ein richtiger kleiner Shitstorm. Ich ziehe mich also ganz schnell um und husche nach draussen.

Da der Spabereich sich nicht im Keller befindet, gibt es überall Tageslicht. Großes Plus! Das Neptun Spa ist ja spezialisiert auf Thalasso und ich bin sehr gespannt auf meine Anwendungen. Während ich versuche, Ulrike wiederzufinden, irre ich ein bisschen umher und stelle fest, dass es ganz schön groß ist. 2.400 m² genaugenommen. Es gibt ein Becken mit frischem Ostsee-Meerwasser, das ihr euch auf dem ersten Foto unten anschauen könnt. Der ganze Bereich teilt sich auf in „alles, was mit Sauna zu tun hat“ links vom Meerwasserbecken und „alles, was mit Treatments zu tun hat“ rechts davon. Es gibt verschiedene Ruhebereiche, was dazu führt, dass Ulrike in dem Treatment-Ruhebereich abhängt und auf mich wartet, während ich im Saunaruhebereich auf sie warte. 2.400 m² sind halt schon eher weitläufig. Aber dadurch verteilt sich auch alles ganz gut.

Kurz vor Treatmentbeginn finden wir dann aber zusammen und es kann losgehen. Mich erwartet der Thalasso-Overload. Will heissen: Ein Ganzkörperpeeling und eine Ganzkörpereinreibung mit einem Gel, das den Körper optimal auf alles, was noch kommt, vorbereitet. Ein Algenbad in einer Wanne mit Massagedüsen, eine Algenpackung und finally noch eine Ganzkörpereinreibung mit einer Creme. Das Package heisst „Thalasso Kombi Klassiker“ und ihr findet es im Thalasso-Menü ganz oben. Ich hatte so gar keinen Plan, was da auf mich zukommt und war innerlich auf den worst case vorbereitet. Ich sah mich schon mit frisch im Meer geernteten Algen eingewickelt daliegen, aber glücklicherweise kamen die Produkte allesamt von Thalgo. Was allerdings nicht automatisch bedeutet, dass die ganze Nummer dadurch weniger nach Fisch riecht. Aber wer auf Thalasso steht, wird so ein bisschen Fischgeruch easy peasy wegstecken. Die Hydromassage war der Hammer und mein persönliches Highlight des ganzen Programms. Die ist in Kombination mit dem vorbereitenden Peeling auch ohne die Algenpackung buchbar.

Es geht schon eher kommunikativ zu im Neptun Spa. Da ich ja selbst in der 5*-Hotellerie unterwegs bin, irritiert mich das erst ein bisschen, aber dann nutze ich die Gelegenheit und stelle meiner Behandlerin einfach ganz viele Fragen. Es gibt hier nur ausgebildetes Personal, was mich stark beeindruckt. Der ganze Bereich hat ein bisschen was von „Hydro- und Balneotherapie“. Der Style scheint hier nicht so sehr im Vordergrund zu stehen, was für ein 5*-Haus ja doch eher ungewöhnlich ist. Der Altersschnitt (sowohl der Gäste, als auch der Behandler), ist der höchste, der mir bisher untergekommen ist. Die ganze Atmosphäre hat etwas vollkommen uneitles, was es aber auch gleichzeitig ungeheuer sympathisch macht. Nicht, dass ihr mich falsch versteht, es gibt schon einen Stil, der sich durchzieht. Aber der ist, angefangen von der Uniform der Behandler bis zu den Muscheln auf den Fensterbänken, einfach so ziemlich das genaue Gegenteil von fancy.

Nach der Behandlung darf ich mir dann noch einen Thalgo-Tee aussuchen und ich entscheide mich sehr spontan gegen „Darmanregung“ und für „Entspannung“. Auch hier wird wieder deutlich, dass ich altersmäßig ganz schön weit weg bin von der eigentlichen Zielgruppe. Ich versuche mir vorzustellen, was wohl passieren würde, wenn ich einem berühmten Filmstarlet oder dem Businesstyp aus New York nach dem Treatment einen darmanregenden Tee anbieten würde. Und muss lachen.

Nach dem Treatment hänge ich zusammen mit Ulrike und Blick auf’s Meer im Ruhebereich vor den Thalassoräumen ab. „Jenny, Du riechst nach Fisch.“ Thalasso as Thalasso can be. Sie erzählt mir, dass ihre Behandlerin Einwegplastikhandschuhe zur Fußreflexzonenmassage trug und wir versuchen zu erörtern, was das wohl für einen Grund gehabt haben könnte. Da sie die vorangehende Rückenmassage ohne Handschuhe ausgeführt hat, kommen wir hier zu keinem Ergebnis, sind uns aber einig: Eine Fußeflexzonenmassage mit Einweghandschuhen ist ganz schön schräg.

Dann schleppen wir uns irgendwann Richtung Saunabereich. Der umfasst eine finnische Sauna mit Blick auf’s Meer (der Knaller), ein Sanarium und ein Dampfbad. (Der Umkleidebereich der Damen beeinhaltet aber auch nochmal eine separate Ladies-Sauna in finnisch.) Die ersten SpaCamper trudeln ein und der Altersdurchschnitt fällt rapide ab. Achtung wichtig: Nach dem Thalasso-Overload sollte man keine Saunagänge mehr machen. Wenn ihr das plant, würde ich euch also raten, den Saunabereich vorher aufzusuchen. Weil ich das aber vorher nicht wusste und mir einbilde, dass ich den Fischgeruch vielleicht einfach rausschwitzen kann, halte ich mich nicht dran und wir legen trotzdem einen Sanariumgang ein. Check: Fischgeruch lässt sich nicht einfach so rausschwitzen. Stattdessen wird die Haut krass glitschig.

Vom Saunabereich aus kann man auch rausgehen auf eine Terasse mit Strandkörben. Der Blick auf die Ostsee ist untopbar. Als wir im Außenbereich an der Scheibe des Gyms vorbeilaufen, bemerke ich 2 ältere Herren, die sich in Zeitlupe auf einem Fahrradergometer bewegen und muss kichern. Jetzt kapiere ich, warum das Neptun Spa mit „gelenkschonenden Fitnessgeräten“ wirbt. Es fühlt sich nicht so richtig nach Spa an. Eher so ein bisschen nach…Sanatorium? Oder Kur. Ja, ich glaube Kur trifft es ganz gut.

Es geht sehr bodenständig zu im Neptun Spa. Vielleicht ein bisschen vergleichbar mit Meridian Spa, nur in maritim und älter. Nach einigen Stunden verlasse ich das Hotel ziemlich entspannt. Okay, ich rieche nach Fisch, aber dafür habe ich mich lange nicht mehr so knackig und attraktiv gefühlt.

Fazit: Wer auf Thalasso steht und keinen Wert auf fancy Design und Hipster-Publikum legt, kann hier also ruhig mal einen Zwischenstop einplanen beim nächsten Trip an die Ostsee. Ein Day Spa-Ticket kostet nur 25€ (Stand: November 2014). Das Spa Menü findet ihr hier.

Happy Relaxation!

Jenny

Hotel Neptun Spa Pool

Hotel Neptun Spa Sauna

Hotel Neptun Spa Thalasso

Hotel Neptun Spa Ruheraum

Hotel Neptun Thalasso

Ich wurde vom Hotel Neptun eingeladen. Diese Tatsache hat jedoch keinerlei Einfluss auf meine Empfehlung. Ich schreibe nur über Spas, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.