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Treatments, die die Welt nicht braucht #2 – die Fischpediküre

19/09/2014

Fish SpaEine weitere Folge aus der Reihe „Treatments, die die Welt nicht braucht“ (und vom Sinnlosigkeits-Ranking ganz klar noch oberhalb der Hot Chocolate Massage anzusiedeln) ist meiner Meinung nach die Fischpediküre.

Zum ersten Mal kam ich mit dieser merkwürdigen Sache vor einigen Jahren in Asien in Kontakt. Da ich in Asien aber auch schon an gefüllten Innereieneimern vorbeigelaufen bin oder man mir vegetarische Gerichte mit Hühnerfüßen andrehen wollte, habe ich mich nicht wirklich gewundert. Asien halt.

Als der Fish Spa-Trend dann allerdings nach Deutschland rüberschwappte, war ich stark irritiert. Die Frage, die sich mir dabei von Anfang an gestellt hat:

Warum muss man eine ganze Ladung Fische in ein kleines, viereckiges Becken sperren, wenn man genausogut in jedem Drogeriemarkt für 1-2€ einen Bimsstein kaufen kann?

Nun mag diese Haltung möglicherweise dadurch bedingt sein, dass ich seit 23 Jahren vegetarisch unterwegs bin und auch ganz allgemein versuche, so durch’s Leben zu gehen, dass ich dabei möglichst wenig Mist baue oder Schaden verursache. Aber die deutschen Behörden konnten anfänglich ebenso wenig mit Fish Spas anfangen wie ich. Grund genug also, der ganzen Sache mal einen eigenen Post zu widmen.

Vorab ein paar Infos zu den Fischen in den Becken:

Hierbei handelt es sich um rötliche Saugbarben (lateinisch: Garra Rufa), die auch als Kangalfische bekannt sind, weil sie in der türkischen Region Kangal in ziemlich warmen Thermalbächen leben (check: nicht in quadratischen Wasserbecken). Da man irgendwann bemerkt hat, dass diese Fische Hautschuppen abknabbern und das bei Schuppenflechte hilft, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis jemand diesen Gedanken weiterspinnt und die Fische zur Hornhautentfernung an den Füßen anbietet.

Kangal-Fische kann sich jeder ganz easy peasy online kaufen. Wenn man einen guten Deal erwischt, kostet einer nur etwa 1,70€, im Schnitt ist man aber eher mit 2,50€ pro Fisch dabei. Kranke Scheisse. Je mehr ich zu Fish Spas recherchiert habe, desto mehr drehte sich mir der Magen um. So ist es in Asien beispielsweise üblich, die Fruchtbarkeit der Fische durch das Verabreichen von Hormonen zu steigern, die in das Rückengewebe injiziert werden. So produziert man eine möglichst hohe Zahl an Eiern. Die Fischzucht und der Handel mit Kangal-Fischen boomt.

Die anfänglichen Schwierigkeiten der „Fish Spas“ mit den deutschen Behörden beruhen auf den gesundheitlichen Riskien, die diese ganze Nummer in sich birgt, denn bakterielle Krankheitserreger können von einem Menschen auf die Fische und von den Fischen wiederum auf den nächsten Menschen übertragen werden. Darüberhinaus gibt es auch virale Erreger, die für einige Minuten in den Fischen nachweisbar sind und sich so auf den nächsten Menschen übertragen können.

Für dieses Problem gibt es zwei Lösungsansätze:

Entweder, man räumt den Fischen nach jeder Pediküre eine Quarantäne ein (um das Ansteckungsrisiko zu minimieren) oder die komplette Fischladung wird nach jeder Pediküre getötet. Wenn man nun den Stückpreis mit der Anzahl der Fische im Becken multipliziert und mit dem Preis einer Fischpediküre vergleicht, dürfte man zu dem Ergebnis kommen, dass die zweite Option nicht sehr wirtschaftlich ist und dass aus diesem Grund höchstwahrscheinlich eher mit der Quarantäne gearbeitet wird. Die britische Health Protection Agency schätzt das Risiko als „wahrscheinlich sehr gering“ ein. Fakt ist: Alle vermuten und schätzen, aber niemand macht klare und konkrete Ansagen.

Glücklicherweise gibt es auch nach wie vor Bundesländer, die rumstressen, wenn es um die Eröffnung von Fish Spas geht und der gewerblichen Nutzung der Fische zu „Wellnesszwecken“ nicht zustimmen. In Berlin ist das leider nicht der Fall. Und so wirbt man um Kunden und beteuert, dass man den Fischen diverse Ruhetage pro Woche einräumt und regelmäßig das Wasser wechselt. Auf einer Website behauptet der Betreiber sogar, die Fische in den Becken seien „sehr glücklich“ und würden zu ihrem Glück nichts als fliessendes Wasser benötigen. Blabla. Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich alles verkaufen lässt, wenn man nur groß genug „Wellness“ oder „Spa“ draufschreibt.

Das Ergebnis einer solchen Fischpediküre lässt sich im Übrigen in keinster Weise mit dem einer richtigen Pediküre vergleichen. Das haben mir verschiedene Freundinnen bestätigt, die es selbst schon mal ausprobiert haben.

Also, liebe Leute, ich appelliere an eure Saugbarben-Empathie! Dieser Post ist ein Plädoyer für tolle Kosmetikerinnen, die großartige Pediküren machen. Ich würde mich freuen, wenn möglichst wenige Menschen diesen Mist mit den Fischen unterstützen, denn mit „Spa“ hat das meiner Meinung nach so rein gar nichts zu tun.

Das musste mal raus.

Jenny

5 Kommentare

Kommentar von sabrina am 23/09/2014 bei 12:19   

Hey Jenny, Wieder einmal hast Du sooooo recht. Ich hab diesen Quatsch auch schon ausprobiert, (Gutschein zum Geburtstag bekommen) und fragte mich von Anfang an: Hölle noch eins, wenn ich mir selbst die Hornhaut von den Füßen hole, muss ich mit nem Bimsstein oder ner Raspel schon ganz schön schrubbeln. Wie soll denn so ein kleiner Fisch, der eben ein Barbe und kein Piranha ist, das schaffen? Kann nicht, ist klar. Die super losen Hautschüppchen hätt ich auch mit dem Peeling abbekommen. Quarantäne gab es auch nicht, da kamen nach meinen ziemlich gleich die nächsten Füße ins Becken. Kann frau also direkt mal lassen den Scheiß und dabei auch noch nen gutes Gewissen haben. LG Sabrina

Kommentar von I LOVE SPA am 23/09/2014 bei 23:18   

Hey Sabrina :) Die Erfahrungsberichte unterscheiden sich nicht stark. Unter'm Strich haben mir bisher alle Ähnliches berichtet. Grund genug, diese "Spas" nicht zu supporten ;(

Kommentar von Johanna Kauffmann am 13/11/2014 bei 14:55   

Liebe Jenny, ich stimme Dir in allen Punkten zu und finde, dass es langsam mal eine Petition gegen diese Tierquälerei geben muss! Spa super gerne, aber dann bitte ohne Tiere...

Kommentar von Patrizia am 10/04/2018 bei 11:21   

Ich fand dem Gedanken an Fischen im Fußpflege Becken auch schon immer mega gruselig!!! Danke für diesen tollen und aufschlussreichen Beitrag liebe Jenny!

Kommentar von I LOVE SPA am 12/04/2018 bei 20:30   

Ich auch. Daher: Gerne ;)

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