Iyengar Yoga Institut Berlin

Iyengar Yoga Institut BerlinVor 2 Wochen starb in Indien ein 94-jähriger Mann. Das ist vom Prinzip her jetzt sicherlich nichts so außergewöhnliches. Schliesslich ist Indien groß und der ein oder andere wird unter Umständen auch ein bisschen älter.

Aber da es sich in diesem konkreten Fall um B.K.S. Iyengar handelte, waren alle meine Social Media-Kanäle für etwa 48 Stunden mit genau diesem Ereignis regelrecht verstopft. Ich fühlte mich latent zugespamt, nahm eben diese Tatsache dann aber einfach mal zum Anlass, den Computer zuzuklappen und mich endlich mal Richtung Rosenthaler Platz zu bewegen, denn dort befindet sich das Iyengar Yoga Institut Berlin.

Vielleicht habt ihr bemerkt, dass es bisher bei allen Yogaempfehlungen immer eher fliessend zuging. Das liegt daran, dass ich Vinyasa Flow am liebsten mag. Mir ist natürlich schon klar, dass es auch Bikram und Iyengar-Fans unter euch gibt, die sich über den einen oder anderen Post freuen würden (und aus diesem Grund nehme ich mir immer mal wieder vor, yogatechnisch meine Komfortzone zu verlassen), diese Bemühungen scheiterten bisher allerdings immer daran, dass ich jederzeit eine passende Ausrede parat hatte.

Und plötzlich so: Jetzt oder nie! Homepage aufgerufen, Yogazeug zusammengesucht und in die M1 gehüpft.

Als ich ankomme, fühle ich mich dann ein bisschen verloren. Es gibt einen Laden, den ich erst für den Eingang halte. Ist er aber nicht. Der Eingang ist rechts davon. Dann laufe ich durch einen Hof und einfach geradeaus. Ich betrete einen Yogaraum, in dem sich bereits eine Mitturnerin befindet. Sie zieht sich in eben diesem zum Hof verglasten Raum am Fenster stehend um. Ich sage, dass ich zum ersten Mal da bin und frage, ob der 19Uhr-Kurs hier stattfindet. Sie bejaht das, sagt, dass es „oben“ auch Umkleiden gibt und hängt sich daraufhin fledermauslike kopfüber in so ein dickes Seil, das mich stark an diese Schulsportseile erinnert, die früher in den Turnhallen von der Decke hingen. Ich bin angespannt.

Ich gehe also wieder raus, folge der Treppe nach oben und finde verschiedene Yogaräume auf unterschiedlichen Etagen. Und die Umkleiden. Also ziehe ich mich um und begebe mich dann samt Matte wieder nach unten. Der Fußboden hier gestaltet ernsthaft crazy. Ich frage mich, ob das Konsequenzen für den Innenausstatter hatte und stelle nebenbei fest, dass niemand hier seine eigene Matte mitbringt. Außerdem stelle ich fest, dass fast alle extrem kurze Hosen tragen. Das hat ohne Frage was von „Trimm dich“. Ich falle also auf. Obwohl ich mich für einen Anfängerkurs entschieden habe, muss ich aufpassen, nicht in den Panic Mode zu rutschen.

Irgendwann betritt dann eine Frau den Raum und alle stehen auf, laufen zu ihr nach vorne und zahlen die Stunde. Schräge Sache. Hab‘ ich so auch noch nie erlebt. Erst denke ich mir so: „Das ist aber nicht Hermann und Hermann steht im Plan“ und dann denke ich mir so „Vielleicht ist Hermann heute krank.“ Also bewege auch ich mich nach vorne, um die Stunde zu bezahlen.

Besagter Yogalehrerin entgeht aber keineswegs, dass ich zum ersten Mal anwesend bin und als sie fragt, ob ich schon Iyengar-Erfahrung habe und ich das verneine, schaut sie mich irritiert an, woraufhin ich frage: „Das ist doch der Anfängerkurs hier, oder?“, woraufhin sie erwidert „Nein, der ist oben bei Hermann“.

Ich habe nie so fluchtartig einen Yogaraum verlassen (mit dem Fledermausbild im Kopf) und laufe barfuß über die Außentreppe nach oben. Dort finde ich dann auch den richtigen Kurs. Ich quetsche mich mit meiner Matte in eine eher enge Lücke und setze mich.

Auftritt Hermann. Ebenfalls in sehr kurzer Hose. Dann gleiches Prozedere wie unten. Alle springen auf und laufen mit Bargeld nach vorne.

Nachdem das Finanzielle dann geregelt ist, verliert Hermann ein paar Worte zum Tod von B.K.S. Iyengar, zeigt auf ein Foto von Iyengar, das vorne an der Wand hängt (und an dem 3 kleine rosa Nelken stecken) und singt ein bisschen was. Was er singt, hat mit Patanjali zu tun und ich glaube, dieses Procedere ist sehr special und normalerweise wird eher nicht gesungen. Denn mit dem Ende von Hermann’s Gesang wäre die spirituelle Praxis dann auch beendet. Es gibt kein Om. Es gibt keine Musik. Es gibt keinen Spirikram.

Was in den kommenden 60 Minuten folgt, würde ich am ehesten mit dem Wort „Gymnastik“ beschreiben. Es sind erstaunlich viele Männer dabei. Wir verharren viel weniger lang in den einzelnen Haltungen, als ich mir das immer vorgestellt habe und am Ende bin ich dann in dem saubersten und akkuratesten Pflug ever.

Während meiner physiotherapeutischen Ausbildung gab es ein Fach namens „Bewegungserziehung“. Daran fühle ich mich ein bisschen zurückerinnert. Es wird wirklich außerordentlich großen Wert auf die Ausrichtung gelegt und es ist vollkommen(!) unesoterisch. Vielleicht sind gerade deshalb so viele Männer da!?

Als ich nach der 60min-Klasse die Treppe Richtung Hof wieder nach unten laufe, sehe ich, wie die Teilnehmer in dem Fortgeschrittenen-Kurs (in den ich um ein Haar hineingeraten wäre) rückwärts über solchen Holzdingern hängen. Ganz schön crazy.

Fazit: Das hat richtig Spaß gemacht und ich habe mich sehr über mich selbst geärgert, dass ich nicht eher schon mal hergekommen bin. Wer auf saubere Ausrichtung steht und mit dem spirituellen Aspekt (und dem ganzen Eso-Klimbim, der da ja gelegentlich mit dranhängt) nicht viel anfangen kann, ist hier goldrichtig.

Hier findet ihr Kursplan und Preise. Es gibt leider keine Pressefotos, aber hier könnt ihr nochmal 2-3 Fotos anschauen.

Viel Spaß!

Jenny

Ich habe die Yogaklasse selbst bezahlt. Ich schreibe nur über Yogastudios, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.