Sexuelle Übergriffigkeiten im Spa

Sexuelle Belästigung MassageEdit: Es gibt jetzt eine eigene Subpage zu diesem Thema!

Welch brisantes Thema. Und leider auch viel zu allgegenwärtig, daher gehört auch diese hässliche Seite meines Arbeitsalltags mal thematisiert. Es wird ein sehr langer Post, was daran liegt, dass es eine ziemlich komplexe Thematik ist, die es aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten gilt. Denn da gibt es einmal Übergriffigkeiten vom Gast in Richtung Behandler (was zweifelsohne schon zum Kotzen ist), aber unter’m Strich noch eine Nummer härter sind Übergriffigkeiten vom Behandler in Richtung Gast.

Als weiblicher Spa Therapist sehe ich mich leider hin und wieder mit ersterem konfrontiert. In all den Jahren, in denen ich mittlerweile in Spas arbeite, ist mir das erst 2 mal mit Frauen passiert und das war auch eher harmlos, von daher möchte ich den Schwerpunkt im Folgenden auf die vielen anderen Situationen legen, in denen männliche Gäste sich gegenüber weiblichen Behandlern daneben benehmen. Man merkt das meistens schon bei der Begrüßung. Es ist ein Bauchgefühl, das man mit den Jahren entwickelt und das einen selten täuscht. Eben diese männlichen Gäste ziehen nie den Einwegslip an und in der Regel beginnt es so, dass sie bereits unruhig mit dem Becken ruckeln, wenn sie auf dem Bauch liegen. Manchmal berühren sie auch immer wieder mit dem seitlich von der Behandlungsliege herunterhängenden Unterarm „rein zufällig“ mein Bein. Spätestens an diesem Punkt steige ich innerlich aus und versuche, so viel Distanz wie möglich in diese Behandlung zu bringen, obwohl ich die betreffende Person anfassen muss. Wenn man nach Leading Standards arbeitet, gibt es genaue Vorgaben, wie man sich in solch einer Situation zu verhalten hat. Benimmt ein Gast sich daneben, muss man eine Verwarnung aussprechen. Und das sieht dann beispielsweise so aus:

„Entschuldigung, ich fürchte, hier liegt ein Missverständnis vor. Ich bin Physiotherapeutin und das hier ist ein Leading Spa. Wenn Sie eine Prostituierte wünschen, müssen Sie sich an den Concierge wenden. Bitte hören Sie damit auf, andernfalls sehe ich mich gezwungen, die Behandlung vorzeitig zu beenden.“

Benimmt der Gast sich auch nach dieser Ansage weiterhin daneben, darf ich abbrechen. Leider bewegt man sich aber meistens im Grenzbereich und fängt innerlich mit sich zu hadern an. Reicht das aus für eine Verwarnung? Darf ich jetzt schon abbrechen? War das wirklich too much? Nur selten, sind Gäste so direkt, dass sie mir bereits vor der Behandlung 50€ auf den Rollhocker legen und einen Blow Job einfordern. In diesem Fall kann man klare Ansagen machen, die meistens auch akzeptiert werden. Bewegt man sich allerdings 60 oder 90 Minuten im Grenzbereich, ist das bisweilen eher tricky.

Spätestens nachdem der Gast sich umdreht auf den Rücken, deckt er sich in der Regel dann so auf, dass ich mir seine Genitalien anschauen muss. Häufig simulieren diese Gäste auch Beschwerden am Adduktorenansatz (der am Schambein liegt). Das ist der Punkt, an dem ich meistens die Verwarnung ausspreche, während ich alles wieder ordnungsgemäß bedecke. Manchmal hat man ab diesem Punkt Ruhe, meistens bewegt man sich bis zum Ende der Behandlung im Grenzbereich und hadert und nur selten wird einem der finale Grund zum Abbruch geliefert.

Meinen männlichen Kollegen passiert das im Übrigen auch. Schwule Gäste spulen da anscheinend das selbe Programm ab. Bei männlichen Behandlern kommt es aber auch gelegentlich vor, dass ein weiblicher Gast sexuelle Handlungen einfordert und sich im Anschluss über sexuelle Übergriffigkeiten seitens des Behandlers beschwert, wenn er nicht darauf eingeht. Eine ziemliche Sauerei, die meine männlichen Kollegen ziemlich ohnmächtig dastehen lässt, aber zum Glück nicht so häufig vorkommt. Unter’m Strich kann man wohl sagen, dass sich zu etwa 95% Männer danebenbenehmen.

Seitenwechsel. Ihr bucht als Frau eine Behandlung und euer Behandler massiert eure Brüste mit. Oder streift euren Genitalbereich. Oder massiert auf merkwürdige Art und Weise euren Po. Ihr werdet eine Übergriffigkeit immer bemerken. Sie macht euch unsicher. Ihr fühlt euch unwohl. Ihr fragt euch: „Ist das normal? Soll das so? Oder bin ich vielleicht einfach nur zu empfindlich?“ Auf jeden Fall dreht sich in eurem Kopf alles um diese Sache und ihr könnt euch nicht mehr entspannen. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass hier was schiefläuft. Ein scheissiges Bauchgefühl reicht da vollkommen aus. Vertraut diesem Gefühl und habt den Mut, die Behandlung abzubrechen! Edit: Da ich zwischenzeitlich selbst in eine solche Situation geraten bin, weiss ich nun, dass dieser Ratschlag totaler Bullshit ist. Wenn es mal so einfach wäre… Ich habe eine Subpage eingerichtet, auf der ihr nach und nach alle Informationen zum Thema finden werdet und die euch hoffentlich weiterhilft, wenn ihr selbst betroffen seid.

Interessanterweise passiert das scheinbar selten andersrum. Wenn weibliche Behandlerinnen „rein zufällig“ Genitalien streifen oder sich zum Massieren auf den Gast draufsetzen (das ist leider kein Witz), wird das in der Regel im Anschluss an die Behandlung mit einem fetten Trinkgeld belohnt.

Ich sehe hier ein großes Problem in der nicht vorhandenen Qualitätssicherung. Da jeder im Spa massieren darf – ganz unabhängig davon, ob er oder sie das auch gelernt hat – wird die klare Trennung von Nacktsein und Sexualität aufgehoben. Es gibt 2 Ausbildungsberufe, die das Massieren so richtig beruflich erlernen. Das sind zum einen Physiotherapeuten und zum anderen Masseure und medizinische Bademeister. In beiden Fällen würde ich jetzt mal behaupten, dass es nach Beendigung der Ausbildung die normalste Sache der Welt ist, nackte Menschen anzufassen. Man muss sich während der Ausbildung ständig selbst ausziehen und fasst sich ununterbrochen gegenseitig an. Vollkommen ohne sexuelle Konnotation. Für mich ist ein nackter Mensch unter einem Frotteehandtuch in etwa so sexuell wie für einen Taxifahrer sein PKW. Das Problem stellen meiner Meinung nach häufig Quereinsteiger dar (Betonung auf „häufig“, denn natürlich trifft das nicht auf alle Quereinsteiger zu), die aus einem ganz anderen Berufsfeld kommen und für die es weniger selbstverständlich ist, nackte Menschen anzufassen. Und das merkt man dann als Gast auch gelegentlich.

Fakt ist also, dass viele Menschen Nacktsein und Sexualität nicht voneinander trennen können, ganz unabhängig davon, ob es sich hierbei um Gäste oder Behandler handelt. Das ist traurig. Daher ist es wichtig, dass ihr gut auf eure Grenzen aufpasst. Wenn ihr eine Behandlung bucht und euer Bauch euch sagt „Irgendwas fühlt sich hier nicht gut an“ – tut euch selbst den Gefallen und brecht ab. Lasst es nicht über euch ergehen. Ihr werdet euch danach wie ausgekotzt fühlen. Und wenn ihr mutig genug seid, sprecht es auch beim Rezeptionisten an! Hier ein paar Optionen, die es euch vielleicht ein bisschen leichter machen:

„Ich habe mich unwohl gefühlt und deshalb die Behandlung abgebrochen. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber es hat sich nicht so angefühlt, wie eine Massage sich anfühlen sollte.“

„Der Behandler hat meine Brüste mitmassiert. Deshalb habe ich abgebrochen.“

„Der Behandler hat sich ein bisschen zu intensiv meinem Po / der Innenseite meiner Oberschenkel / meinen Brüsten gewidmet. Deshalb habe ich abgebrochen.“

In der Regel hat sowas Konsequenzen für den Behandler. Nur sprechen die meisten Gäste es nicht an und verlassen das Spa mit einem scheissigen Gefühl. Deshalb: Geht raus aus dieser Ohnmacht! Diese sexuelle Energie gehört da nicht hin und es ist euer gutes Recht, mit einem entsprechenden Feedback dafür zu sorgen, dass der Behandler Ärger bekommt.

Ich versuche bei meinen Spa Tests immer ein besonderes Augenmerk auf diese Thematik zu richten, bin mir aber dennoch bewusst, dass ich letztenendes eine Frau bin, der man in Thai Massage Studios kein Happy Ending anbieten wird. Falls euch sowas bei einer meiner Empfehlungen passiert ist, fühlt euch bitte frei, unter dem entsprechenden Post einen Kommentar zu hinterlassen oder mir eine Email zu schreiben!

Tausend Dank!

Jenny