Stadtbad Neukölln

Stadtbad NeuköllnDer heutige Blogpost verlangt eurer Vorstellungskraft alles ab, denn es wird keine Pressefotos dazu geben. Alle meine Bemühungen diesbezüglich waren nicht von Erfolg gekrönt. Vor Ort sagte man mir, dass es keine Pressefotos gibt (obwohl ich mir nicht so ganz sicher bin, ob das wirklich stimmt) und auf meine Emails bekam ich keine Antwort. Ich war trotzdem artig, hab nicht mit meinem Iphone vor Ort rumgeknipst und werde im Folgenden versuchen, möglichst bildhaft zu beschreiben, damit ihr euch das alles möglichst bildhaft vorstellen könnt.

Pünktlich zu dem kurzzeitigen Wintereinbruch vor 4 Wochen habe ich mich also auf den Weg nach Neukölln gemacht, um das dortige Saunaangebot mal abzuchecken. Wenn ihr mit der U7 bis „Karl-Marx-Straße“ fahrt, lauft ihr noch etwa 5 Minuten, bis ihr dort seid. Das Stadtbad Neukölln gehört zu den Berliner Bäder-Betrieben und bildet somit einen interessanten Mix aus römischer Architektur und Schulsporterinnerungen. Vorab: Es handelt sich hier nicht um ein Spa. Es gibt weder Frotteeschlappen, noch Oshi Boris zum Tee. Genaugenommen bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt Tee gibt. Aber egal.

Die Begrüßung verläuft very Berlin, will heissen: very schnodderig. Ich sage, dass ich ein Tagesticket für die Sauna haben möchte, man verkauft mir aber ein Ticket für die Schwimmhalle – was zur Folge hat, dass ich am Saunaeingang mit dem Ticket nicht durch’s Drehkreuz komme. Die Lady am Schwimmhallendrehkreuz weist mich auf das fehlerhafte Ticket hin und legt mir an’s Herz, lieber die Schwimmhalle zu nutzen. Ich bin stark verwirrt. „Wenn se jern anjestarrt werden wollen, dann jehnse inne Sauna!“

Um ehrlich zu sein, ist bereits nach 5 Minuten der Punkt erreicht, an dem ich am liebsten wieder nachhause fahren würde. Aber ich bin schliesslich nicht nur zum Spaß hier, also Augen zu und durch. Ich also wieder nach unten, mich anpampen lassen, ich hätte nicht gesagt, dass ich ein Saunaticket will (ach, Berlin) und dann next try. Beim zweiten Anlauf lässt das Drehkreuz mich rein. Check: Zum Schwimmen rechts hoch, zur Sauna links.

Das Stadtbad Neukölln wurde 1914 eröffnet und gegen seine Architektur stinkt jeder moderne Wellnesstempel gnadenlos ab. Es gibt eine große Schwimmhalle mit 25m Beckenlänge, eine kleine Schwimmhalle mit 19m Beckenlänge und ein sehr umfangreiches Saunaangebot. Letzteres läuft hier unter dem Namen „Therme“. Hier gibt es einen 360°-Rundgang der einzelnen Bereiche. (Edit: Link entfernt, weil nicht mehr aktiv.) Ihr seht schon: Viele Säulen, krasse Deckenhöhen, Mosaike und verdammt viele Bogen.

Der Eintritt kostet 17€ für einen ganzen Tag (Stand: Februar 2014). Zusätzlich müsst ihr beim Zahlen des Tageseintritts ein Schlüsselpfand von 10€ hinterlegen. Achtet außerdem unbedingt darauf, dass ihr pro Kopf mindestens zwei 1€-Stücke dabei habt. Das läuft hier nämlich alles noch sehr oldschool. Ihr braucht eins für den Spind im Umkleidebereich und eins für das Wertsachenschliessfach im Gastrobereich. Zusammen mit dem Einlass-Chip habt ihr also 3 Bändchen am Handgelenk. Absoluter Rekord.

Ich ziehe mich um, dusche und irre dann orientierungslos umher. Der Saunabereich befindet sich eine Etage weiter oben. Am besten nehmt ihr eure Wertsachen gleich mit hoch, denn die Wertsachenschliessfächer liegen auf dem Weg zum Eingang des Saunabereichs. Klingt verwirrend? Ist es irgendwie auch. Zudem wirkt bis zu diesem Zeitpunkt alles auf mich ein wenig befremdlich. Ich fühle mich 20 Jahre zurückkatapultiert in Zeiten des Schulsports. Fehlt nur noch, dass der Gastrobereich „Heisse Hexe“ serviert. Tut er aber glücklicherweise nicht.

Ich schliesse also meine Wertsachen ein und begebe mich mit 3 Schlüsseln am Arm in den Saunabereich. Und hier ist das befremdliche Gefühl dann augenblicklich verschwunden. Es gibt eine finnische Sauna, eine Kräutersauna, ein griechisch-römisches Dampfbad, ein Caldarium, ein Sanarium mit Farblichtern, ein Warmwasserbecken und ein Tauchbecken. Ich probiere so ziemlich alles davon aus (okay, das Tauchbecken nicht) und schlafe zwischendurch immer mal wieder im Ruhebereich ein. Der ist für meinen Geschmack zwar nicht schön, aber dafür selten. Die Liegen sehen irgendwie aus wie Gartenliegen. Die Polster passen farblich überhaupt nicht zu dem ganzen Rest und auch die Abtrennungen zwischen den einzelnen Liegen finde ich extrem merkwürdig. Dennoch fühle ich mich ziemlich wohl. Sonst würde ich nicht immer wieder einschlafen. Es gibt mehr Liegefläche als Liegende, was auf jeden Fall positiv hervorzuheben ist, allerdings könnte das am Wochenende oder spät am Abend wieder anders aussehen. Die einzelnen Saunen selbst sind nicht übel. Das Angebot kann sich sehen lassen. Auf jeden Fall möchte ich aber nach mehreren Stunden der exzessiven Nutzung des gesamten Bereichs klarstellen, dass ich nicht angestarrt wurde. Es ist ein ganz normaler Saunabereich. Ihr könnt der Lady am Schwimmhallendrehkreuz also getrost den Vogel zeigen. Ich fand es erfrischend unaufgeregt und werde auf jeden Fall wiederkommen.

Fazit: Die Berliner Schnodderigkeit wurde hier entgegen der allgemeinen Entwicklung Neuköllns noch nicht weggentrifiziert. Wer bereit ist, über diese Tatsache hinwegzusehen und ein umfangreiches Saunaangebot schätzt, sollte unbedingt mal herkommen und das ausprobieren!

Jenny

P.S.: Von Oktober bis Mai findet jeden letzten Freitag im Monat Mitternachtssauna statt. Da könnt ihr dann bis 01:00Uhr schwitzen. Außerdem gibt’s jeden Samstag „romantisches Schwimmen“ in der kleinen Halle bei sanfter Musik und Kerzenschein. Uuuuuh!

Ich habe den Tageseintritt selbst bezahlt. Ich schreibe nur über Orte, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.