„Was ist Ihre Berufsbezeichnung?“

Jobs in der Spa BrancheEine Frage, die mir interessanterweise immer häufiger gestellt wird. Gefolgt von erleichtertem Seufzen, wenn ich antworte „Ich bin Physiotherapeutin“. Und dann höre ich abenteuerliche Geschichten. Von Behandlern, die in Spa X oder Y 60 Minuten lang Öl verteilen, ohne auch nur einen einzigen Muskel zu berühren. Von Behandlern, die den Unterschied zwischen Kreuzbein und Kreuzband nicht kennen. Und von Schmerzen und Beschwerden im Anschluss an’s Treatment.

Die Skepsis des zahlenden Gastes den Behandlern gegenüber wächst. Und meiner Meinung nach vollkommen zurecht. Wir haben in Deutschland zwar viele Regeln und Gesetze, aber keines davon kümmert sich darum, dass im Spa nur qualifiziertes Personal auf den Gast losgelassen wird. Sowohl der Begriff „Therapeut“, also auch der Begriff „Masseur“ ist nicht geschützt. Mit der Folge, dass jeder (und zwar wirklich jeder), der sich dazu berufen fühlt, der Arbeit als Spa Therapist in der Spa Branche nachgehen kann. Fakt ist also, dass der erlernte Beruf mit dem ausgeübten Job meistens nicht viel zu tun hat. (Ich möchte an dieser Stelle nicht bestreiten, dass es Behandler gibt, die es trotzdem draufhaben.)

An diese Tatsache ist eine sehr hässliche Entwicklung gekoppelt, die Konditionen von Spa Therapists betreffend. In den vergangenen 2-3 Jahren wurden diese nämlich um durchschnittlich 20% gedrückt. You get what you pay for. So auch im Spa. Während es vielen von uns an die Existenz geht, gibt es immer mehr Behandler, die aus ganz anderen Richtungen kommen oder aus anderen unerfindlichen Gründen den Job für noch weniger Geld machen. Und so die Latte von Jahr zu Jahr tiefer hängen. (Dieses Lohndumping ist ein Thema, das ich demnächst an anderer Stelle aber nochmal gesondert aufrollen möchte.)

Auf jeden Fall geht die aktuelle Entwicklung am Gast leider (oder sollte man sagen „Gott sei Dank“?) nicht spurlos vorbei. Darf man sich als Gast, der bis zu 120€ für eine 60-minütige Behandlung zahlt, über diese Entwicklung ärgern? Unbedingt! Und da ist die Frage „Was ist Ihre Berufsbezeichnung?“ nur eine logische Konsequenz und vermutlich auch ein ganz guter Anfang. Ich als Gast würde sogar soweit gehen und diese Frage bereits bei der Buchung stellen.

Im Hinblick auf die Qualitätssicherung sollte hier ohne Frage möglichst schnell möglichst viel passieren. Nur wenn sich gute und qualifizierte Behandler preislich nicht noch weiter drücken lassen und Gäste sich über schlechte Behandlungen beschweren und bereits bei der Buchung Einfluss darauf nehmen, von wem das Treatment durchgeführt wird, kann eine Veränderung stattfinden.

Jenny