Liquidrom – Urbane Badekultur

Liquidrom Berlin 1Ich habe in den vergangenen Monaten immer mal wieder Emails bekommen, in denen ich gefragt wurde, ob ich das Liquidrom weiterempfehlen kann. Und weil ich nichts empfehle, was ich nicht selbst ausprobiert habe, mache ich mich an einem verschneiten Frühlingstag auf den Weg nach Kreuzberg. Der Gedanke an Sauna bei den aktuellen Außentemperaturen macht mich über alle Maßen an.

Das Liquidrom liegt ziemlich „mittendrin“, am Übergang von Kreuzberg zu Mitte und man stapft keine 5 Minuten durch den Schnee, wenn man am S-Bahnhof Anhalter Bahnhof aussteigt. Man liest und hört nicht nur Gutes und ich bin gespannt, was mich erwartet.

Der Eintrittspreis richtet sich nach eurer Aufenthaltsdauer. 2 Stunden kosten 19,50€, 4 Stunden 24,50€ und wenn ihr den ganzen Tag bleiben wollt, zahlt ihr 29,50€ (Stand März 2013). Somit liegt das Liquidrom preislich im Mittelfeld, vergleichbar mit Meridian Spa oder Ruhepool.

Es ist mir sehr wichtig, gleich zu Beginn zu erwähnen, dass das Liquidrom anscheinend für eine eher „offene“ Zielgruppe konzipiert ist. Das beginnt damit, dass der Umkleidebereich der Männlein mit dem der Weiblein verbunden ist und außerdem videoüberwacht wird. In meinem Fall war es jetzt zwar ein attraktives Männlein, das sich mir gegenüber entkleidete, aber sowas kann optisch ja auch gerne mal nach hinten losgehen. Ihr wisst, was ich meine. Es gibt insgesamt 4 Kabinen, in die man sich flüchten kann, wenn man beim An- bzw. Ausziehen nicht gefilmt werden möchte. Aber das ist im Verhältnis zur Anzahl der Gäste ganz klar zu wenig.

Optisch ist das Liquidrom ohne Frage sehr ansprechend gestaltet. Stylish. Minimalistisch, eher nüchtern und viel Beton. Das gibt die Homepage schon ganz gut wieder.

Ich möchte mit einem Saunagang starten und stelle dabei fest, dass die Saunen ziemlich klein sind. Es gibt eine Himalaya Salzsauna, ein Dampfbad, eine finnische Sauna mit 90°C und eine Kelo Panorama-Sauna mit 80°C. Bei letzterer liegt der Schwerpunkt auf „Panorama“, denn diese Sauna ist verglast und komplett von außen einsehbar. Im Hinblick auf die Größe der Saunen könnte ich mir vorstellen, dass es hier am Wochenende ziemlich kuschelig (im Sinne von eng) wird. Ihr solltet also besser keine Berührungsängste mitbringen.

Ich war jedoch bereits um 10Uhr vor Ort (unter der Woche) und das war auch sehr klug so, denn es ist noch nicht sehr voll. Ich probiere zuerst die Salzsauna aus und später dann Panorama Sauna und Dampfbad. Dabei stelle ich fest, dass es hier – verglichen mit anderen Saunen oder Spas der Stadt – ziemlich kommunikativ zugeht. Kommunikative und eher freizügige Menschen sind im Liquidrom auf jeden Fall eher richtig als diejenigen, die Ruhe und Abgeschiedenheit suchen. Wichtige Info für euch außerdem: Im Liquidrom zählen auch Kinder zu den Gästen!

Im Anschluss an die Sauna dusche ich nochmal und mache mich dann auf die Suche nach dem großen Solebecken. Als Sole bezeichnet man natürliche Salzwasserquellen und im Falle des Liquidrom handelt es sich konkret um Thermalsole aus der Fontanequelle in Neuruppin. Der Raum ist rund und kuppelförmig. Es ist ziemlich dunkel. Ich schnappe mir eine Poolnudel und lasse mich in’s Becken gleiten. Das Wasser hat eine Temperatur von 36-38°C. Wenn man sich auf den Rücken legt und treiben lässt, kann man durch ein rundes Fenster in der Mitte der Kuppel den Himmel sehen. So treibe ich eine kleine gefühlte Ewigkeit dahin bei sphärischen Unterwasser-Klängen und Walgesang.

Immer mal wieder verändern sich die Farben in dem ziemlich dunklen Raum. Ich muss zugeben, dass dieses Becken der Hammer ist. Deswegen bleibe ich auch ewig drin. Als ich irgendwann mit total schrumpeligen Händen und Füßen (man sollte nicht länger als eine Stunde drin bleiben, aber ich bin ja ein Fan von Grenzerfahrungen) aus dem Becken klettere, bin ich sehr viel entspannter als bei meiner Ankunft. Ich würde diesen Bereich ganz klar als das Highlight der gesamten Anlage bezeichnen.

Was bleibt also abschliessend und zusammenfassend zu sagen? Würde ich hier eine Massage buchen? Nein. Würde ich hier einen ganzen Tag verbringen? Nein. Würde ich wiederkommen? Klares Ja. Allerdings wieder gleich morgens um 10. Und nur für 2 Stunden. Und ich würde die ganze Zeit schwerelos im Salzwasserbecken treiben. Wer den Schwerpunkt auf Sauna legt, ist meiner Meinung nach im Meridian Spa besser aufgehoben und wem es hier zu voll und wuselig ist, der sollte vielleicht lieber japanisch und abgeschieden im Ruhepool baden. Aber ein vergleichbares Solebecken zum Floaten, das gibt es in Berlin nicht.

Jenny

Liquidrom Berlin 2

Liquidrom Berlin 3

Liquidrom Berlin 4

Ich habe den Tageseintritt selbst bezahlt. Ich schreibe nur über Spas, die mich überzeugt haben – ganz unabhängig davon, ob ich selbst dafür bezahlt habe oder eingeladen wurde. Was mich nicht überzeugt, taucht nirgendwo auf.